REZENSION Das Ergebnis vorweg: Ich hatte mehr erwartet! Nach den Büchern Februar 33. Der Winter der Literatur (2021) und Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur (2025) von Uwe Wittstock, Entscheidung in Spanien. Der große Kampf der Literatur 1936-1939 (2026) von Paul Ingendaay sowie Die Buchhandlung der Exilanten. Paris 1940. Zuflucht und Widerstand (2026) von Uwe Neumahr erschien nun im August ebenfalls im Verlag C.H. Beck der Band Amerika '33. Die große Krise der Freiheit von Johannes Ehrmann. Was vom Titel her eine sinnvolle inhaltliche Ergänzung über die Schicksale der ins Exil vertriebenen Schriftsteller oder Künstler hätte sein können, hat sich leider nicht erfüllt.
Einerseits beschränkt sich Ehrmann auf eine bruchstückhafte Schilderung der auf das Jahr 1993 ff. bezogener Lebensabschnitte einiger auch in ihrer Vita uns bestens bekannter Prominenter. Doch diese hatten wie die von Goebbels sogar umworbene Schauspielerin Marlene Dietrich, die Schriftstellerin Vicky Baum oder der Wissenschaftler Albert Einstein mit Ausnahme des expressionistischen Malers George Grosz aufgrund ihres hohen internationalen Bekanntheitsgrades und ihres Auslandsaufenthalts in den USA, Frankreich oder England vom NS-Regime kaum etwas zu befürchten. Box-Champion Max Schmeling war als unpolitischer Mitläufer ohnehin ungefährdet und ließ sich sogar von den Nazis instrumentalisieren.
Andererseits beschreibt der Autor die wirtschaftspolitische Situation der USA im Jahr 1933. Den damals Verantwortlichen unter Franklin D. Roosevelt schien es im Interesse des Landes unverantwortlich, eine in die Tausende gehende Zahl politischer Flüchtlinge aus Deutschland aufzunehmen: Die wirtschaftliche Depression hatte zu hoher Arbeitslosigkeit geführt. Flüchtlinge ins Land zu lassen, würde eine weitere Steigerung der Arbeitslosigkeit sowie die notwendige finanzielle Unterstützung der überwiegend jüdischen Flüchtlinge bedeuten, die doch, von den Nazis enteignet, mittellos in die USA kommen würden. Diese politischen Kapitel des Buches, die allerdings mit den geschilderten Promi-Biografien in keinem Zusammenhang stehen, sind der interessantere Teil des Buches Amerika '33. In der autokratisch wirkenden Politik Roosevelts allerdings einen aktuellen Aspekt zur Politik Donald Trumps erkennen zu wollen, ist doch weit hergeholt: Roosevelt versuchte mit seinen Präsidialerlassen unter Umgehung des Kongresses binnen kurzer Zeit mit konsequenter Politik die US-Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen, wofür auch der Handel mit Deutschland wichtig war, weshalb der von jüdischen Verbänden geforderte Boykott deutscher Exporte nicht möglich erschien.
Alles in allem lässt sich sagen: Amerika '33 von Johannes Ehrmann ist locker geschrieben, leicht zu lesen und auch stellenweise interessant. Doch liefert das Buch keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse und kann auch stilistisch mit den lesenswerten Bänden von Uwe Wittstock, Uwe Neumahr und Paul Ingendaay leider nicht mithalten.