Übers Meer, gegenseitige Hilfe und die Macht der Geschichten. Poetisch mit einer schönen Botschaft.
Lina und ihr Leuchtturm sind der Anlaufpunkt für Möwen und andere Tiere. Lina hilft ihnen und erzählt ihnen Geschichten. Besonders gefällt mir, dass die Geschichten in den zauberhaften Illustrationen zum Leben erwachen: Könnt ihr den Seedrachen und die Klabauterfrau entdecken? Linas Hilfsbereitschaft spricht sich mit der Macht der Geschichten bei den Meeresbewohner*innen herum. So sind sie als wundervolle Helfende zur Stelle, als das Licht des Leuchtturms erlischt. Und gemeinsam bringen sie das Feuer wieder zum Leuchten.Die reduzierten Textpassagen bezaubern durch Poesie und lassen sich melodisch vorlesen. Es gibt hier das Spiel mit Wörtern, bei dem 3jährige vielleicht noch nicht jedes einzelne verstehen, aber die Vielfalt der Sprache erkunden, wenn wir von Zwergmöwen zu Lachmöwen und Gewittermöwen hören. "Linas Leuchtturm" zeigt so auch die Vielfalt der Natur, mit den Vögeln, Krebsen, Walen und leuchtenden Tiefseefischen, die noch eine ganz besonders Bedeutung bekommen.So gerne ich das Buch gelesen habe, zwei Aspekte stören mich: Ich mag es nicht, wenn Kinderfiguren zu sehr in eine Verantwortung gedrückt werden, die eigentlich Erwachsene übernehmen sollten. So sehr Kinder ja auch Selbstwirksamkeit in Protagonist*innen erfahren wollen, sehe ich bei der alleinlebenden Lina, die sich aufopfernd um die Tiere kümmert, eine gewisse Parentifizierung. Und dann finde ich in den Illustrationen das Leuchten am Ende schon nur sehr reduziert und dunkel umgesetzt. Da hätte ich mir etwas mehr Leuchten gewünscht.Trotzdem ein schönes Kinderbuch. 4 von 5 Sternen.