Ehrlich gesagt, lege ich hier und da ein gewisses Suchtverhalten an den Tag. Das dringt unweigerlich ans Licht, wenn ein neues Buch von Karl Ove Knausgård erscheint. Nun hat Luchterhand 2026 den Roman 'Arendal' herausgegeben. Und, noch ehrlicher gesagt, bin ich ein wenig enttäuscht. Während ich beim Lesen der 'Min- Kamp'-Romane meine Knausgård-Sucht entdeckte und entwickelte, führten mich die Jahreszeiten-Bände in ruhigere Fahrwasser, bezauberten mich die Künstler-Biografien und alles Essayistische ohnehin. Die Morgenstern-Romane nun fordern mich heraus, zeitweilig war ich ein wenig sauer auf Karl Ove, erschien mir die dort erschaffene Welt doch krass düster und chaotisch. Klar, ich liebe dieses kluge Ausloten der Grenzen unserer Existenz, dieses Hadern mit Leben und Tod, das Spiel mit Mystik und Apokalypse. Aber ein bisschen Licht wäre schon auch schön (und damit meine ich nicht unbedingt einen zweiten Mond). Das scheint in 'Arendal' durchaus auf. Schon der Klappentext verrät, dass die Liebe eine Rolle spielt. (Fast witzig: In der Google-Suche erscheint mit Arendal: Glückseligkeit an der Küste Südnorwegens.) Im gleichnamigen Roman sieht die etwas eigen aus. Wir begleiten Syvert durch die Untiefen seiner Existenz. Der Ingenieur, Geschäftsmann, Vater zweier Söhne, Ehemann schlittert im tiefsten Süden Norwegens 1976 in eine tiefe Krise. Ausgelöst von einer Autopanne, begibt er sich auf eine alkoholgestützte Tour de Force voller düsterer Begegnungen. Alles ist Eis, Nacht, bittere Kälte. Und mehr und mehr fühlt sich Syvert gefordert, eine Entscheidung zu treffen Nochmal Klappentext: Wird er sich für die Liebe entscheiden?
Klar, das ist Knausgård-Lesen: das Ringen mit Sehnsucht, Unsicherheit, Verantwortung, Schuld und Tod. Was aber geschieht mit uns, wenn wir uns in ein Leben zwingen, das uns gleich Kälte und Dunkelheit umfängt? Und die Rettung winkt mit der Liebe? I dont know. Überraschendes Ende. Ich bleibe Karl Ove Knausgård trotzdem treu und freue mich sehr auf den nächsten Morgenstern-Roman.