Mississippi im Jahr 1933: Die Weltwirtschaftskrise bestimmt den Alltag der Menschen und viele Familien kämpfen ums Überleben. Auch Birdie reist deshalb nach Oxford, um ihre vermeintlich wohlhabende Schwester um Hilfe zu bitten. Doch vor Ort merkt sie schnell, dass hinter der Fassade der Familie längst nicht alles so geordnet ist, wie es scheint. Gleichzeitig lernt man die junge Meg kennen, die in einem strengen Waisenhaus lebt und dort täglich mit Ungerechtigkeiten und Schikanen zu kämpfen hat. Nach und nach kreuzen sich die Wege verschiedener Frauen, die alle versuchen, sich in einer von Männern und gesellschaftlichen Erwartungen dominierten Welt zu behaupten. Dabei geraten sie immer wieder in Situationen, die Mut, Zusammenhalt und ungewöhnliche Entscheidungen verlangen.
Kathryn Stockett hat einen unglaublich angenehmen Schreibstil, der sich flüssig lesen lässt und gleichzeitig sehr bildhaft und atmosphärisch ist. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, mitten im Mississippi der 1930er Jahre zu sein. Man spürt die Hitze, die Sorgen der Menschen und die gesellschaftlichen Spannungen, die über allem liegen.
Besonders gefallen haben mir die vielen unterschiedlichen Frauenfiguren. Sie wirken lebendig, authentisch und entwickeln im Verlauf der Geschichte immer mehr Tiefe. Selbst Figuren, die zunächst eher schwierig oder distanziert wirken, werden nach und nach greifbarer und nachvollziehbarer. Vor allem Birdies Entwicklung fand ich spannend, da sie immer wieder vor Entscheidungen gestellt wird, die sie an ihre persönlichen Grenzen bringen.
Trotz ernster Themen wie Armut, Ungerechtigkeit und gesellschaftlichem Druck verliert der Roman nie seine Wärme. Immer wieder gibt es humorvolle und hoffnungsvolle Momente, die die Geschichte auflockern und den Figuren noch mehr Leben verleihen. Gerade die Dynamik zwischen den Frauen und ihr Zusammenhalt machen das Buch besonders.
Auch die über 800 Seiten haben mich am Ende überhaupt nicht abgeschreckt, denn durch den lebendigen Schreibstil und die interessante Handlung fliegt man regelrecht durch die Geschichte. Trotzdem sollte man sich bewusst Zeit für dieses Buch nehmen, denn die Geschichte und die Entwicklung der Figuren kommen besonders gut zur Geltung, wenn man sich wirklich auf sie einlässt.
Der Club der Unbeugsamen ist für mich ein bewegender und atmosphärischer Roman über starke Frauen, Freundschaft, Zusammenhalt und den Mut, sich gegen gesellschaftliche Grenzen zu stellen. Für mich definitiv eine Leseempfehlung.