Ein warmherziger Roman, der gekonnt die historische Geschichte des ¿Maison de la Femme¿ mit dem Heute verbindet.
Nach dem Freitod eines Mandanten erlitt die erfolgreiche Pariser Rechtsanwältin Solène einen Zusammenbruch - Burn-out diagnostizierten die Ärzte. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus riet ihr Psychiater zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit, um anderen Menschen zu helfen und sich dabei wieder nützlich zu fühlen. Über eine Anzeige erhält sie eine Stelle im "Haus der Frauen", in dem Obdachlose, Gestrandete, Flüchtlinge und misshandelte Frauen Unterschlupf gefunden haben. Dort soll Solène den Bewohnerinnen helfen, Briefe, Anträge oder Gesuche zu schreiben. Nach anfänglichem gegenseitigen Misstrauen wird sie im Kreis der Frauen aufgenommen - ihr Leben bekommt wieder einen Sinn. Sie beginnt sich für die Geschichte des Hauses und ihrer Begründerin, Blanche Peyron, zu interessieren ... Laetitia Colombani, geb. 1976 in Bordeaux, ist eine französische Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin."Der Zopf" (La Tresse, 2017)war ihr erster Roman, der 2019 im S. Fischer Verlag erschienen ist. Die Autorin erhielt dafür 2017 den Prix Ulysse und 2018 den Globe de cristal in der Kategorie "Bester Roman"."Das Haus der Frauen"(Les Victorieuses, 2019)folgte und war ebenso erfolgreich. Laetitia Colombani lebt in Paris. Das"Palais de la femme"ist ein Gebäude im 11. Arrondissement von Paris. 1926 wurde es von dem Ehepaar Blanche und Albin Peyron erworben und der Heilsarmee überschrieben. Das Haus besteht aus 630 Räumen und beherbergt auch heute noch in Not geratene Mädchen und Frauen. Im Mittelpunkt dieses Romans stehen zwei Frauen aus unterschiedlichen Zeiten. Gekonnt verbindet die Autorin das Leben der historischen Persönlichkeit Blanche Peyron und der fiktiven Anwältin Solène in zwei Handlungssträngen, die ineinander übergreifen und zeigen, dass Frauen, die soziale Ungerechtigkeit und Gewalt erfahren haben, schon früher der Hilfe bedurften. Der Schreibstil ist sehr ansprechend und macht das Buch gut lesbar, wobei ich Solènes Entwicklung leicht vorhersehbar fand, während der historische Teil um Blanche für mich viel emotionaler und authentischer wirkte. Obwohl die persönlichen Schicksale der Frauen oft nur angedeutet werden, berühren sie doch tief und hinterlassen den Leser*in gedrückter Stimmung. Fazit:Ein warmherziges Buch mit historischem Hintergrund, das ich wärmstens empfehlen kann.