Es ist heiß in Berlin, flirrend heiß. 40 Grad, die Wohnungen sind Backöfen. Die Hitze bringt Stillstand, die Zeit zum Erliegen. Auch das Leben von Eli steht im Pausenmodus, die Romance-Übersetzerin Eli wird arbeitslos, verliert ihren Job an die KI.
Wenn die alleinerziehende Mutter Zeit für sich braucht, sucht sie Zuflucht in Gundas Kneipe nebenan.
Einst gehörte Gunda dem Club der Verschwenderinnen an, einer ehemaligen Gemeinschaft ostdeutscher Arbeiterinnen, die mit der Wende ihre Anstellungen verloren. Aus ihnen wurde ein Kultur-und Lese-Frühstücksclub. Die Frauen diskutierten gesellschaftspolitische Fragen und nutzten den Wendepunkt, um Möglichkeiten des Zusammenlebens zu erörtern.
Einige von ihnen gründeten Gundas Kneipe.
Gunda ruft die Frauen und Kinder des Hauses zusammen, im Kneipenraum, nächtens im Getränkelager und später im Schrebergarten trotzen sie der Hitze und erproben eine neue Form der Gemeinschaft.
Die Kneipenwirtin beginnt zu erzählen, von früher, vom Leben in der DDR, von der Unermüdlichkeit kritischen Denkens und von der Kluft zwischen Theorie und dem persönlichen Handlungsspielraum. Aus Kolleginnen wurden Freundinnen, bis ihre Lebenswege sie zerstreuten.
Schnell wird im heißen Berliner Sommer klar, dass die Verwirklichung eines Ideals immer auch von der politischen Realität abhängt und als innerer Konflikt weit in das Private hineinragt. Doch vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation in Deutschland wird die Frage drängender, welche Verantwortung ein*e einzelne*r tragen kann und unter welchen Maßstäben wir als Gemeinschaft zusammenleben wollen.
Der Club der Verschwenderinnen steckt voller radikaler, humanistischer, realistischer Fragestellungen und sucht nach einer postkapitalistischen gesellschaftlichen Logik. Lena Müller findet große Bilder für leise Gefühle, nähert sich an, beobachtet mit ihrer Hauptfigur, wägt ab, sucht mit ihren Figuren Freiräume. Dicht und drückend ist die Hitze, greifbar nahe rücken die Figuren.
Der eindringliche Roman ist ein Plädoyer für Solidarität, den Mut, aufzustehen und für die eigenen Überzeugungen einzustehen. Unermüdlich.