Alleine direkt am Anfang hat man das Gefühl, einen Einblick in die Psyche von Natalie zu bekommen. Gleichzeitig fragt man sich, ob dieser Eindruck trügt oder ob man selbst bereits zu viele True-Crime-Serien gesehen hat und überall unzuverlässige Erzählerinnen wittert. Genau dieses Unbehagen zieht sich wie ein roter Faden durch The Exes und macht den Reiz des Romans aus.
Natalie ist keine Figur, der man sich sofort anvertraut. Sie wirkt verletzlich, aber nie eindeutig, und gerade diese Ambivalenz sorgt dafür, dass man ständig zwischen Mitgefühl und Misstrauen schwankt. Die Geschichte spielt gekonnt mit der Frage, wie gut wir Menschen und vor allem ihre Motive wirklich einschätzen können. Was ist Erinnerung, was Verdrängung, was Selbstschutz? Und ab welchem Punkt macht man es sich als Leser:in zu einfach?
Leodora Darlington baut die Spannung weniger über klassische Schockmomente auf, sondern über psychologischen Druck. Rückblenden, Andeutungen und kleine Irritationen fügen sich nach und nach zu einem Gesamtbild, das man immer wieder neu hinterfragt. Dabei bleibt der Stil angenehm flüssig und zugänglich, ohne oberflächlich zu wirken.
Besonders gelungen ist, dass The Exes nicht nur ein Thriller über vergangene Beziehungen ist, sondern auch über Schuld, Projektionen und die Geschichten, die wir uns selbst erzählen, um mit dem eigenen Leben zurechtzukommen. Nicht jede Wendung wirkt vollkommen realistisch, doch das tut der Sogwirkung kaum Abbruch im Gegenteil: Man liest weiter, gerade weil man sich nicht sicher ist, ob man der Geschichte oder der Protagonistin trauen sollte.
Unterm Strich ist The Exes ein spannender, psychologisch dichter Thriller, der weniger auf Blut und Tempo setzt als auf Zweifel und innere Spannung. Ein Buch, das einen noch beschäftigt, wenn man es längst zur Seite gelegt hat und das einen dabei ertappt, wie man sich fragt, ob man Natalie nun verstanden hat. Oder eben doch nicht.
Das Cover passt da auch absolut perfekt zu, denn es gibt nichts über den Inhalt Preis und passt dennoch genau dazu.