Natalie hat endlich den Mann gefunden, mit dem alles anders werden soll. James ist liebevoll, verlässlich und genau der Partner, mit dem sie sich die Familie wünscht, von der sie immer geträumt hat. Es gibt nur ein kleines Problem: Natalies drei Ex-Freunde sind tot. Und Natalie war jedes Mal in der Nähe.Besonders gut gefällt mir, dass Natalie als unzuverlässige Erzählerin angelegt ist. Ich mag dieses Stilmittel sehr, gerade weil es so gar nicht den klassischen Krimiregeln der "goldenen Zeit" entspricht. Hier weiß man nie so genau, was man glauben kann. Durch die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven verändert sich das Bild von Natalie und den anderen Figuren immer wieder. Mehrmals dachte ich, ich hätte verstanden, worauf die Geschichte hinausläuft und lag daneben. Genau dieses Spiel mit Wahrnehmung und Wahrheit hat mir gut gefallen.Auch die Grundidee und die psychologische Ebene funktionieren für mich sehr gut. Es geht um toxische Beziehungen, Manipulation, Gewalt, Rassismus, Kontrolle und weibliche Wut. Natalie ist dabei keine makellose Heldin, sondern eine widersprüchliche Figur, bei der ich durchaus zwischen Mitgefühl und Misstrauen geschwankt habe. Ich fand es allerdings zunehmend schwierig, ihre Naivität und einige ihrer Entscheidungen nachzuvollziehen. Irgendwann wollte ich sie doch ganz gern einmal schütteln und fragen, ob sie wirklich immer noch nichts merkt.Etwas zwiespältig sehe ich auch den feministischen Ansatz. Die Themen, die Darlington aufgreift, sind wichtig und werden teilweise erschreckend realistisch dargestellt. Gerade deshalb hätte ich mir bei der Form der Gegenwehr etwas mehr Raffinesse gewünscht. Schon die Ausgangssituation setzt weibliche Rache sehr unmittelbar mit Gewalt gleich. Für mich wirkt das fast wie eine Umkehrung der gleichen Machtlogik. Wenn Männer Gewalt als Mittel einsetzen, wird sie hier (vielleicht) zum Mittel der weiblichen Rache. Ich hätte es interessanter gefunden, wenn die Männer auf andere Weise mit den Konsequenzen ihres Handelns hätten leben müssen.Und dann sind da die vielen Wendungen. Anfangs haben sie mir richtig Spaß gemacht, weil ich mich gern überraschen lasse und nicht zwingend eine Auflösung brauche, die ich schon nach der Hälfte des Buches vorhersehen kann. Irgendwann hatte ich allerdings das Gefühl, dass die Autorin immer noch einen draufsetzen musste. Das letzte Drittel wurde mir dadurch zu konstruiert und teilweise auch zu unglaubwürdig. Die einzelnen Twists sind nicht unbedingt schlecht gedacht, aber in ihrer Summe war es mir irgendwann einfach zu viel. Weniger wäre hier für mich tatsächlich mehr gewesen.Insgesamt habe ich "The Exes" gern gelesen. Die Geschichte ist ungewöhnlich, psychologisch interessant und hat mich mehrfach dazu gebracht, meine eigenen Theorien wieder über den Haufen zu werfen. Der Schreibstil ist angenehm und die Grundidee trägt die Geschichte weit. Ganz überzeugt hat mich die Umsetzung am Ende allerdings nicht. Für mich ein spannender Thriller mit einer starken Idee, bei dem die Autorin ihrem eigenen Hang zu immer neuen Wendungen irgendwann etwas zu sehr vertraut hat.