The Exes lässt kaum Zeit zum Luftholen, weil das Buch einfach zu spannend ist und einige Wendungen hat, mit denen ich nie gerechnet hätte. Außerdem fragt man sich immer wieder, ob das, was die Erzählerin oder der Erzähler sagt, stimmt. Es wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, aber immer erst dann, wenn eine Erkenntnis oder Wendung es verlangt. Ein total spannendes Stilmittel, dass ich bisher noch nicht kannte und das Buch für mich einmalig macht.
Zuerst wird der Eindruck vermittelt, dass es um Natalie und ihre früheren Freunde geht und vor allem um deren Ableben. Die Geschichte ist so geschrieben, dass der Leser immer Erwartungen aufbaut, wie die Geschichte sich entwickelt, weil es logisch erscheint, nur um dann festzustellen, dass es auch ganz anders gewesen sein könnte, wenn man es aus einem anderen Blickwinkel sieht.
Das Buch zeigt deutlich, wie sehr unsere Erinnerungen von uns selbst, den Erzählungen anderer und der eigenen Einbildung gelenkt werden. Auch zeigt es, wie wir uns eine eigenen Realität erzeugen, weil wir bestimmte Vorstellungen haben, die auch von der äußerem Umgebung geprägt sein können.
Die Charaktere sind nie so wie sie zunächst scheinen und alle sehr vielschichtig dargestellt. Das gefällt mir sehr gut, weil man sonst meistens nur ein bis zwei Personen so richtig kennenlernt, doch durch die Rückblenden und unterschiedlichen Erzähler/innen lernt man alle kennen und versteht ihre Beweggründe besser.
Immer wenn ich denke, ich weiß jetzt, wie es ausgeht, weiß ich, dass es nicht so ist, weil noch so viel Buch übrig ist und frage mich, was jetzt noch kommen soll und dann passiert wieder etwas, was alles bisherige in einem anderem Licht erscheinen lässt. Außerdem frage ich mich, ob Natalie nicht doch irgendwann den Verstand verliert, bei so vielen Abgründen, die sich auftun.
Am Ende bleiben zwei Fragen für mich übrig, die aber zu Spoilern führen würden.
Das Buch liefert auf jeden Fall einen Einblick in menschliche Abgründe auf unterschiedlichste Art und Weise.