Staub, Schweiß und unterschwellige Gewalt liegen wie ein Schleier über jeder Seite und lassen kaum Raum zum Durchatmen. Bambino von Marco Balzano hat mich sofort in eine düstere, beklemmende Welt gezogen, die lange nachhallt.
Mattia, genannt Bambino, ist eine Figur, die schwer auszuhalten ist. Seine Brutalität trifft auf eine tiefe innere Leere und eine fast verzweifelte Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Während des Lesens entstand ein ständiger Zwiespalt zwischen Abscheu und Mitgefühl, der sich kaum auflösen ließ und genau dadurch so intensiv wirkte.
Triest erscheint dabei kalt, unruhig und von Spannungen durchzogen. Der Faschismus wächst wie ein dunkler Schatten über allem und verändert Menschen, Beziehungen und Moralvorstellungen. Nichts fühlt sich sicher oder eindeutig an, alles verschiebt sich mit jeder neuen Entwicklung.
Am Ende bleibt ein schweres, nachdenkliches Gefühl zurück. Eine Geschichte, die weh tut, die fordert und die zeigt, wie sehr Zeit und Umstände einen Menschen formen können.