Emma und ihre Freunde Clarence, Sam, Élise und Victor brechen in den Ferien vor ihren Abi-Prüfungen zu einem einwöchigen Segeltörn auf. Bis auf Victor sind alle von Kindesbeinen an begeisterte Segler, und der Trip mit der 12-Meter-Jacht soll der Höhepunkt ihrer Jugend werden. Doch nach wenigen Tagen treibt Clarence tot im Wasser, und ein lebensgefährlicher Sturm zieht auf. Der Segeltrip wird zu einem Kampf auf Leben und Tod.
Der Roman beginnt mit Clarence Tod. Emma erzählt aus der Ich-Perspektive abwechselnd in der Gegenwart und in Rückblenden, so dass erst im Laufe der Zeit stückweise klar wird, wie Clarence gestorben ist. Das Ende hat mich nicht überrascht, da ich von Anfang an eine entsprechende Ahnung hatte.
Reichlich ungewöhnlich für ein Jugendbuch ist, dass die Protagonist:innen ziemlich unsympathisch sind, abgesehen von Victor. Sie wirken überheblich, bilden sich reichlich auf ihre Segelkünste ein und halten sich für unbesiegbar. Allen voran Clarence, der schon fast überzeichnet wirkt. Sam und Élise bleiben Randfiguren, seltsam blass und konturlos. Emma ist seit Jahren verliebt in ihren besten Freund Clarence, der dies genießt und auch ausnutzt. Ihre Beziehung ist exemplarisch für eine toxische Freundschaft. Victor ist der einzige, der Clarence seltsamem Charme nicht erliegt und sich nicht vereinnahmen lässt. Ihm hätte ich deutlich mehr Anteil im Roman gewünscht. Insgesamt ist die Figurenzeichnung leider recht platt geraten, hier wäre etwas Ambivalenz wünschenswert gewesen. Hierdurch konnte ich mit den Charakteren auch nicht mitfühlen, da mir ihr Schicksal im Wesentlichen gleichgültig bleib.
Da der Roman im Seglermilieu spielt, ist auch die Sprache reich an nautischem Fachvokabular, das man als Laie entweder nachschlagen oder sinnerfassend überlesen muss. Sprachlich hat mich der Roman leider nicht überzeugt, wobei ich nicht beurteilen kann, inwieweit das der Übersetzung geschuldet ist. Die Dialoge wirken nicht wie gesprochene Sprache Jugendlicher. Beispiel: Clarence: [] Ich war es, der euch auserwählt und uns außergewöhnlich gemacht hat. Sam: Aber das sind wir, Clarence. Das Strahlen, die Energie, das sind wir. Wir alle zusammen. (Kap. 21).
Sehr gestört hat mich, dass die 17-jährigen Jugendlichen wiederholt Bier und Whisky trinken, letzteres explizit in Stresssituationen. Alkohol hat in einem Jugendbuch ab 14 Jahren nichts verloren, vor allem nicht als Problemlöser oder Mittel zur Entspannung.
Insgesamt hatte ich mir von Ebbe und Wut deutlich mehr erwartet, insbesondere, da Marion Brunet 2025 mit der höchsten Jugendbuchauszeichnung, dem Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis, bedacht wurde.