Das Buch und den Farbschnitt dieses Buches finde ich wunderschön. Beides passt sowohl von der farblichen Gestaltung, als auch von den Motiven zu dieser Geschichte.
Joslin lebt mit ihrem Zwillingsbruder in einem kleinen Dorf. Als dieser bei einem Überfall während des Lichterschattenfests entführt wird, macht sie sich auf den Weg, ihn zu retten. Auf dieser Mission begegnet sie nicht nur 2 völlig verschiedenen Männern, zu denen sie sich hingezogen fühlt, sondern sie entdeckt eine ganz neue Seite an sich selbst.
Der Einstieg in diese Geschichte ist mir leicht gefallen. Man lernt Joslin in ihrem gewohnten Umfeld kennen. Sie ist offen, sagt klar, was sie will und was nicht und sie ist neugierig auf das Leben. Sie beschützt ihren Bruder und ihre Lieben. Doch dann ändert ein Überfall alles und sie will ihren Bruder retten. Das hat mir gut gefallen, doch leider kommt sie einige Male vom Weg ab und verliert ihr eigentliches Ziel immer mal wieder aus den Augen. Es gibt einige Hindernisse, doch aus meiner Sicht fordern die Joslin alle nicht wirklich heraus. Alles scheint ihr irgendwie zuzufallen und zu gelingen, ohne größere Anstrengungen. Das fand ich sehr schade, denn daran wächst eine Hauptfigur in der Regel. Hier hätte ich mir deutlich mehr bzw. größere Hindernisse gewünscht, so dass Joslin dann auch eine beobachtbare Entwicklung nehmen könnte.
Lanir und Khiran fand ich beide interessant, wobei mir Lanir nicht wirklich sympathisch war. Von beiden erfährt man aber nicht wirklich viel, immer nur ein Stückchen. Das macht es spannend, gleichzeitig fällt es einem aber auch schwer eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen.
Für alle anderen Figuren hätte ich mir auch noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Trotzdem haben die Figuren in der Regel ein eigenes Ziel bzw. eine eigene Motivation und ergänzen die Haupthandlung gut.
Die Handlung hat mir insgesamt gut gefallen. Die Idee der Geschichte ist toll. Mir persönlich war es aber zum Teil zu sprunghaft. Joslin ist etwas eingeschossen und schwups hat sie es getan. Dann ist ihr etwas anderes eingefallen und zack war das andere vergessen und es ging mit der neuen Idee weiter. Hier hätte ich mir etwas mehr den roten Faden gewünscht. Auch die Liebesgeschichte konnte mich leider nicht ganz überzeugen, denn ich konnte kein Knistern und keine Anziehung spüren. Vielleicht lag es daran, dass ich auch keine richtige Verbindung zu den Figuren aufbauen konnte. Aber auch hier muss ich sagen, dass die Idee wirklich super war, also das angedachte Love Triangle. Die gewählten Themen fand ich sehr interessant und auch gut bearbeitet und auch das Ende hat mich total überzeugt. Es ist ein gemeiner Cliffhanger und jetzt muss ich unbedingt wissen, wie es weitergeht.
Der Schreibstil hat mir insgesamt gut gefallen. Alles liest sich recht angenehm und flüssig. Die Dialoge fand ich authentisch und unterhaltsam. Die Beschreibungen der Settings und der atmosphärischen Beschreibungen haben mir ein Bild vor mein inneres Auge gezaubert. Es wird mit sehr vielen und auch schönen Metaphern gearbeitet, jedoch wurde es mir in der Gesamtschau ein wenig zu überladen und hat mich dann das eine oder andere Mal in meinem Lesefluss unterbrochen, weil ich über die Metaphern nachgedacht habe. Worldbuilding und Magiesystem fand ich sehr interessant. Für beides hätte ich mir aber noch etwas mehr Raum gewünscht. Die Darstellung der emotionalen Ebene fand ich insgesamt gut, doch hätte ich mir, wie bereits erwähnt, mehr Tiefe gewünscht. Dann hätte man sich noch besser in die Figuren hineinversetzen können. Das ist aber nur mein persönlicher Geschmack.
Von mir erhält dieses Buch eine Kaufempfehlung (3,5/5 Sterne), weil die Idee der Geschichte toll ist, weil Joslin eine sympathische Hauptfigur mit viel Potenzial ist und weil Worldbuilding und Magiesystem echt interessant sind.
Vielen Dank an Maxime Herbord und den COVE-Verlag für diese Geschichte.