"Und Federn überall" ist der neuste Roman von Nava Ebrahimi, erschienen bei Luchterhand und war 2025 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin erzählt darin von sechs Menschen in einer norddeutschen Kleinstadt, deren Leben sich an einem einzigen Montag auf unerwartete Weise berühren. Im Zentrum: Arbeit, Migration, Klassismus und die Frage, wie Menschlichkeit unter ökonomischem Druck bestehen kann.
Meine Meinung
Dieses Buch war mein erstes von Nava Ebrahimi und ganz sicher nicht mein letztes. Ich hatte es mir bereits als Rezensionsexemplar gesichert, doch erst ihre persönliche Vorstellung und kurze Lesung auf der Buch Wien durch die Autorin haben mich wirklich hineingezogen. Dann ging alles schnell: Zwei Tage, und ich war durch :D
Was mich besonders begeistert hat, sind die vielschichtigen, extrem lebensnah gezeichneten Figuren. Sechs Perspektiven, die sich klar voneinander unterscheiden lassen und zunächst scheinbar lose nebeneinander stehen, bis sich am Ende alles verdichtet. Dieses finale Bild, in dem alle Fäden zusammenlaufen, werde ich so schnell nicht vergessen. Mehr möchte ich dazu an der Stelle nicht sagen.
Ebrahimi schreibt präzise, politisch und zugleich zutiefst empathisch. Sätze wie Die Wirtschaft hasste es, von Menschen abhängig zu sein. (S. 45) oder Hinter einem Schreibtisch sitzen, dazu brauchte es nur ein kleines bisschen Mitdenken. (S. 124) legen schonungslos offen, wie Klassismus, Leistungsdenken und Entmenschlichung ineinandergreifen.
Fazit
"Und Federn überall" ist ein Roman, der mitten aus dem Leben schreibt und dabei erstaunlich leise und kraftvoll zugleich ist. Das offene Ende mag irritieren, fühlt sich aber konsequent an. Für alle, die Gesellschaftsromane mit Tiefgang lieben.
Danke an @netgalleyde und @luchterhandliteratur für das Rezensionsexemplar.