Chang Geng wächst an der Grenze Groß-Liangs auf, doch als sein Leben in Gefahr gerät, flieht er zusammen mit dem geheimnisvollen Shen Shiliu in die Hauptstadt. Doch auch dort sind sie nicht sicher und kommen sich trotz Geheimnisse und politischen Intrigen immer näher.
In Chang Geng regte sich eine unerklärliche Vorahnung. Er spürte, dass jene einfachen, glücklichen Tage für immer der Vergangenheit angehörten.
Zuerst muss ich unbedingt die Gestaltung erwähnen, denn die ist wirklich wunderschön. Das Cover gefällt mir sehr gut und auch die Gestaltung im Inneren hat einiges zu bieten. Die Bilder, die Karte und die Register machen das Buch zu einem richtigen Hingucker und haben mir beim Lesen tatsächlich viel Freude bereitet. Hier wurde wirklich viel Liebe in die Aufmachung gesteckt. Auch die Steampunk-Welt hat mein Interesse geweckt, weil es mal etwas anderes war und die verschiedenen technischen Machenschaften, wie die Drachen als Flugschiffe zu Beginn, geben das gewisse Etwas hinzu.
Inhaltlich hatte ich dagegen deutlich mehr Schwierigkeiten. Der Schreibstil ist definitiv gewöhnungsbedürftig, da er monoton und schon fast zu beschreibend ist. Gefühle kamen bei mir erst nach einer Ewigkeit an und allmählich denke ich, dass es an den Danmeis selbst liegt. Beispielsweise waren die Fußnoten hilfreich, sind aber ein Zeichen für die Art der Geschichte. Vor allem die vielen unterschiedlichen Perspektiven haben es mir nicht immer leicht gemacht, in der Geschichte zu bleiben. Teilweise hatte ich das Gefühl, ständig zwischen verschiedenen Charakteren und Sichtweisen hin und her zu springen, wodurch die Handlung für mich zusätzlich kompliziert wurde.
Mein persönliches Highlight war eindeutig Chang Geng. Ich mochte ihn als Hauptcharakter wirklich gerne und besonders seine Entwicklung hat mir gefallen. Man merkt, wie sehr die Ereignisse ihn verändern und wie er mit seinen Erfahrungen wächst. Gerade deshalb hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichte insgesamt mehr aus diesen starken Charaktermomenten herausholt. Dabei ist er noch jung, aber genau aus diesem Grund menschlich und ausdrucksstark. Auch der Slow Burn ist wirklich slow. Bei einer so langen Reihe ist das vermutlich wenig überraschend, aber für mich war es teilweise einfach zu langsam. Shen Shiliu als Love Interest konnte mich ebenfalls nicht vollständig überzeugen. Irgendetwas an seiner Beziehung zu Chang Geng hat für mich nicht so richtig funktioniert. Besonders die ganze Ziehvater-Geschichte fand ich eher seltsam und konnte sie emotional nicht so richtig einordnen. Die emotionalen Momente, auf die man sich freut, kamen in zu großen Abständen und da sich viel auf die Charaktere konzentriert wird, war es schade.
Leider war für mich auch ein großer Teil des Buches ziemlich langweilig. Es gab zwar einige actionreiche Szenen, spannende Kämpfe und Enthüllungen, bei denen ich wirklich mitgefiebert habe, aber dazwischen zog es sich für mich immer wieder enorm. Gerade die komplizierteren politischen Aspekte und die sich ziehenden Gespräche konnten mich nicht dauerhaft fesseln. So hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich in die Geschichte gefunden habe und auch wenn hier und da Plottwists versuchen, ein wenig Spannung zu kreieren, funktioniert es zu bedingt. Der Spannungsbogen steigt demnach nur sehr langsam und das Finale am Ende war okay, aber auch nichts Weltbewegendes. Mit den vielen Nebencharakteren und deren Namen und Beziehungen konnte der Autorin ab und zu immerhin wieder punkten.
Insgesamt hatte dieser Auftakt einige gute Momente, die jedoch die langatmige Story nicht überspielen konnten!