Low-Fantasy im Oxford des 19. Jahrhunderts, die sich nicht scheut, den Rassismus des britischen Empires aufzuzeigen
Ich habe mir das Buch, nachdem ich das E-Book gelesen habe, nochmal als physische Ausgabe gekauft, mehr muss ich glaub' ich nicht sagen. Oder?Okay, ein paar mehr Worte habe ich trotzdem zu verlieren. Ich habe das Buch mit meiner lieben @pages_and_paths im Buddyread gelesen und passenderweise kurz nach meiner mündlichen Prüfung zum Thema amerikanische Geschichte, britische Geschichte und Geschichte der englischen Sprache. Also war ich sehr schnell im Thema. Denn Babel spielt im 19. Jahrhundert und handelt von Robin, einem Waisenjungen aus Kanton, erst von seinem "Gönner¿ auf ein Studium in Oxford an der Einrichtung Babel vorbereitet wird und von seinem Studium dort. In Babel wird Magie produziert - mithilfe von Silberbarren und nicht ganz passenden Übersetzungen. Weil aber immer mehr Lehnwörter aus anderen europäischen Sprachen in die englische Sprache Einzug halten, suchen einige Babel-Profs nach Muttersprachler:innen überall auf der Welt. Und so ist es kaum verwunderlich, dass drei von vier Mitgliedern von Robins Kohorte nicht aus England stammen. Neben Robin, der aus der chinesischen Provinz Kanton (heute: Guangdong) stammt, starten auch Victoire, die aus Haiti stammt und unter anderem Kreyòl (Haitianisch-Kreolisch) spricht, und Ramy, der aus Kalkutta stammt und unter anderem Urdu, Arabisch und Persisch spricht. Die reiche, weiße, aus England stammende Letty komplettiert das Quartett.Eine Sache wird schnell klar: Kuang beschönigt die Geschichte rund um Robin kein bisschen, im Gegenteil. Das Thema Rassismus ist omnipräsent - durch aktive rassistische Anfeindungen, die Robin, Ramy und Victorie über sich ergehen lassen müssen bis zu Robin und seinen internalisierten Rassismen. Denn er hat scheinbar einen (weißen) britischen Vater und tut alles, um sich der Kultur und Gesellschaft um ihn herum anzupassen, zu denen er aber aufgrund seiner Herkunft nie gehören wird. Als sich den dreien die Möglichkeit bietet, sich zur Wehr zu setzen, nutzen sie diese. Erst teilweise etwas zurückhaltend, dann immer überzeugter.Als weiße Frau hat mich die Figur von Letty ebenfalls sehr beschäftigt. Denn Letty scheint das äquivalent der Personen zu sein, die heute sagen: "Ich sehe keine Farben, ich sehe nur Menschen¿, aber dabei das rassistische System nicht sehen, was all dem zu Grunde liegt. Damit konfrontiert werden ist unglaublich wichtig. Wie Anti-Rassismus-Expertin Tupoka Ogette so schön in "exit RACISM¿ beschreibt: Letty lebt in Happyland. Und damit möchte ich euch nicht nur Kuangs fantastische Low Fantasy "Babel¿ ans Herz legen, sondern auch die Bücher von Ogette.