"Die Gesichter des Mithras" von Sami Eriksson ist ein insgesamt gelungenes und lesenswertes Buch. Besonders hervorzuheben ist die Erzählstruktur mit zwei Zeitebenen, die zum einen im Jahr 190 n. Chr. und zum anderen im Jahr 2018 angesiedelt sind. Beide Handlungsebenen stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern weisen Parallelen auf, durch die eine interessante inhaltliche Verknüpfung zwischen Vergangenheit und Gegenwart entsteht.
Besonders gefesselt hat mich die Geschichte um Lucius, einen freigelassenen Sklaven, und Livia, die Tochter eines angesehenen Adelsgeschlechts, die dem christlichen Glauben nahesteht. Dieser Teil des Romans vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in die Antike, in das alltägliche Leben der Menschen sowie in die Probleme und gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit. Die Figur des Lucius war mir sehr sympathisch, und sein Handeln erschien mir durchweg nachvollziehbar und glaubwürdig.
Auch der Handlungsstrang um die Archäologin Nora in der Gegenwart hat mir zunächst gut gefallen. Ab etwa der Mitte des Buches wurde dieser Teil für meinen Geschmack jedoch etwas zu mystisch und fantastisch. Zudem blieb mir die Protagonistin Nora emotional weniger zugänglich als Lucius, was dazu führte, dass mich dieser Erzählstrang nicht ganz so stark mitnehmen konnte.
Sehr positiv hervorzuheben sind die detaillierten Beschreibungen der Örtlichkeiten und Handlungen. Diese sind so anschaulich gestaltet, dass man sich die Szenen gut vorstellen kann und beim Lesen das Gefühl hat, selbst Teil der Geschichte zu sein.
Weniger überzeugt hat mich der offene Schluss des Romans. Zwar habe ich eigene Vermutungen darüber, wie die Geschichte ausgeht, dennoch hätte ich mir an dieser Stelle etwas mehr Klarheit oder zusätzliche Hinweise gewünscht. Positiv ist hingegen das Nachwort des Autors, das sich im Anschluss an die Geschichte findet und interessante sowie aufschlussreiche Hintergründe liefert.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Der in der Antike spielende Teil konnte mich deutlich mehr überzeugen als der Handlungsstrang in der Gegenwart. Dennoch ist "Die Gesichter des Mithras" ein spannender und interessanter Roman, den ich insgesamt weiterempfehlen kann.