Auch wenn es sich hier "nur" um die erste Hälfte der deutlich dickeren englischsprachigen Ausgabe handelt ist ein wuchtiges Werk daraus geworden, das für Fans von Ebert, Gablé und Co. genau richtig ankommt. Ein Historienroman der alten Schule, weder seichtes Liebesdrama noch mit Magie angereicherte Historienfantasy sondern handfeste, exzellent recherchierte höfische Politik und dazu fast ausschließlich historisch verbürgte Figuren in einem dramatischen Konflikt.Natürlich verdichtet die hierzulande zu Unrecht bisher fast völlig unbekannte Autorin die Handlung des Bürgerkriegs rund um die Thronfolge an den passenden Stellen, macht dabei aber erfreulich wenig Zugeständnisse. Die Brutalität des Schlachtfelds oder die verbotene Liebschaft von Maudes Halbbruder Ranulf, der ganz eigene Motive für seinen Seitenwechsel mitbringt, sind maximal Begleiterscheinungen der Handlung. Viele Szenen finden in Gemächern, bei Schlachtplanungen und Nachbesprechungen statt.Kritische Lektoren von heute würden in so einem Manuskript mangelnde Action und aufuferndes Gerede bemängeln, das die ohnehin kleine Zielgruppe noch stärker einschränkt. Tatsache ist: Die Dialoglastigkeit erfordert Aufmerksamkeit, hebt "Thronräuber" aber deutlich über das Niveau der Konkurrenz. Wer sich auf diese Schwarte einlässt wird durchaus auch mit packenden Schlachten und halsbrecherischen Nacht-und-Nebel-Aktionen wie etwa Maudes Flucht aus Oxford belohnt.Gleichzeitig fehlen klassische Antagonisten; es fällt schwer allein Stephen oder Maude Sympathie entgegenzubringen. Beide haben ihre Gründe nach der Macht zu streben, dabei durchaus nachvollziehbare Motive, aber auch Schwächen, die sie ein ums andere Mal die Treue ihrer Gefolgschaft und den Sieg in entscheidenden Schlachten kosten. Die Nebenfiguren wurden zuweilen etwas gröber skizziert, doch das tut der Sache keinen Abbruch.Kaum zu glauben, dass dieses Buch mit knapp 800 Seiten nur die erste Hälfte eines im Original noch viel längeren Romans ist. Der Übergang ist exzellent gewählt und verstärkt noch die Vorfreude auf die unter dem Titel "Thronerbe" angekündigte Fortsetzung. Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft noch weitere Bücher von Sharon Penman übersetzt werden, denn wenn man dem gelungenen Vorowrt von Rebecca Gablé glaubt, dann stellt sie für englischsprachige Historienromane die Referenz schlechthin dar. Bonuspunkte gibt es auch für das Titelbild, das statt historisierender Gemälde eine echte mittelalterliche Illustration zeigt.Originaltitel: "When Christ And His Saints Slept"Bonusmaterial: Stammbaum, Personenverzeichnis, Landkarte, Glossar