Urlaub, Sonne, fremde Länder und ein bisschen Abstand vom Alltag. Eigentlich klingt Reisen doch ziemlich harmlos. Nach diesem Buch erwischt man sich allerdings dabei, selbst über den eigenen Koffer plötzlich etwas länger nachzudenken.
Sinthujan Varatharajah schaut dahin, wo der schöne Reiseprospekt lieber nicht hinschaut. Wer darf sich frei bewegen, wer wird kontrolliert, wem gehören die Orte, die wir als Paradies verkaufen, und welche Spuren haben Kolonialismus und westliche Macht dort hinterlassen? Das sitzt stellenweise ziemlich unangenehm. Genau das soll es wohl auch.
Besonders stark fand ich, dass hier nicht einfach mit erhobenem Zeigefinger auf Touristen eingedroschen wird. Der Blick geht tiefer. Grenzen, Privilegien, Geschichte und persönliche Erfahrungen verbinden sich zu Gedanken, die noch lange im Kopf herumspuken.
Sprachlich ist das Ganze poetisch, manchmal fast wunderschön und dann wieder sperrig. Ein paar Passagen musste ich zweimal lesen. Mein Kopf hat zwischendurch definitiv Überstunden gemacht.
Kein bequemes Buch für die Strandtasche, sondern eines, das den Blick aufs Reisen ziemlich ordentlich durcheinanderbringt. Und genau deshalb lohnt es sich.