Es ist, natürlich, kein Ratgeber und keine Selbsthilfebuch im engeren Sinne des Begriffes, aber am Ende kommt durchaus ähnliches dabei heraus. Wenn man, poetisch ausgedrückt, sich bereitfindet "seine Seele streifen (und streicheln) zu lassen". Durch gesammelten 62, sehr verschieden daherkommende, kleine literarische Geschichten, die, so der Autor, "für jede Lebenslage aus dem Jahr 2026" dargelegt werden. Vielleicht übertreibt der Autor da ein wenig (es mag mehr als 62 Lebenslagen geben), aber die Vielzahl der Geschichten und Themen decken schon einen gängigen, weiten und breiten Bereich des Lebens ab. Wie ebenso das "Who is Who" der Literatur sich im Buch, gut ausgewählt, versammlen. "Wir lesen Literatur, um zu leben. Nicht, um besser zu leben, das kommt später....." Leben im inneren Sinne. In einer inneren Ausrichtung, intellektuell und emotional, die durch das, was die bedruckten Seiten vor dem inneren Augen an ganzen Welten plastisch entstehen lassen, entstehen innere Antworten, Reflexe, Zu- oder Abneigung, die das Selbst spürbar werden lassen und, manchmal, im Kleinen bis zum Großen, den eigenen Weg und die eigene Art, zu Sein, anders ausrichten können. Wobei hier der erste Hauptteil, "Verwandlungen", sofort in den Raum des Lebens tritt.Stefan Zweigs Hilfestellung (und eigenem Bedürfnis9, wie man der "freudlosen Normalität" entkommt.Oder Auszüge aus Hesses "Steppenwolf", wie an aus dem doch so starr erscheinenden "Gefängnis der eigenen Persönlichkeit" entfliehen kann. Dass man dabei auch "ristkanten Augenblicken" (Zach Williams) gewachsen sein kann (und wird), all das trifft den Nerv der Zeit. Reduziert zunächst die Geschwindigkeit der Gedanken und ersetzt diese durch Vertiefung. Und bietet, das verbindet die Geschichten in diesem Teil, am Ende Ähnliches. Nämlich, dass es nicht mehr so ist (und man selbst auch nicht mehr), wie es vorher war. Dass am Ende sich alles um Liebe dreht, dass man mit dem "Kind" in der eigenen Persönlichkeit Frieden fassen und finden kann, um ein "tapferes Herz" zu entfalten, das sind Betrachtungen, die ebenso Fragen wie Antworten in den Raum der Seiten legen, wie im Glick auf das "Anderssein" und den Mut dazu zu finden. Bis hin zu existenziellen Betrachtungen des Lebens selbst ("...ein vorübergehender Zustand) und wo man in stürmischen Zeiten Halt finden kann, es sind klug und gut gewählte Oberthemen und sorgfältig ausgesuchte literarische Stücke, um sich beim Lesen durchaus auch mal im Erzählten verlieren zu können. Auf jeden Fall aber findet man sich am Ende der Lektüre mit frischen Gedanken oder deutlich erinnert an das, was man doch eigentlich weiß (und doch so selten beherzigt) wieder. Was alleine schon diese literarische Reise durch die vielfältigen Dinge des Lebens lohnt.