Wind, Salz und blanker Fels, mehr braucht Sylvain Tesson offenbar nicht, um aus einer Reise ein philosophisches Donnerwetter zu machen. In Die Säulen des Meeres klettert er auf abgelegene Felstürme, die einsam vor den Küsten dieser Welt stehen. Beim Lesen dachte ich mehrfach: Mein lieber Mann, da würde ich nicht einmal mit Geländer hochsteigen.
Besonders stark wird das Buch, wenn die Landschaft selbst zu sprechen scheint. Tesson beschreibt Meer, Sturm und Stein so eindringlich, dass man die Gischt beinahe im Gesicht spürt. Die schwarzweißen Fotografien passen wunderbar dazu und geben dem Ganzen eine raue, zeitlose Stimmung.
Ganz leicht macht er es einem trotzdem nicht. Manche philosophische Abschweifung wirkt etwas dick aufgetragen, einige Zitate drängen sich vor die eigentliche Reise. Da wollte ich gelegentlich rufen: Lass doch einfach mal den Felsen Felsen sein!
Trotzdem bleibt viel hängen. Hinter dem Abenteuer steckt eine ehrliche Sehnsucht nach Stille, Freiheit und Orten, die noch nicht vom Menschen vereinnahmt wurden. Kein klassischer Reisebericht für zwischendurch, sondern ein eigenwilliges, kluges und gestaltetes Buch, das nachhallt wie Brandung zwischen den Klippen.