Tahsims Eltern leben seit über 30 Jahren in Deutschland. Sie sind Kurden, genau genommen kurdische Yeziden und gehören wegen ihrer eigenen religiösen Glaubenssätze, einer Minderheit an. Seine Mutter verbrachte den größten Teil ihrer Jugend in der Osttürkei, Sein Vater ging schon früh nach Syrien. Sie wurden zwangsverheiratet, eine Tradition, die die deutschen Gemüter beschwert und, die allmählich in den Hintergrund tritt. Seine Eltern mochten sich von Anfang an und haben sich lieben gelernt. Als die politische Situation an Brisanz gewann (2014 wurden über 5000 Yeziden durch den IS getötet, Frauen und Mädchen verschleppt, versklavt und vergewaltigt) flüchteten Tahsims Eltern nach Deutschland. Tahsim wurde, wie seine jüngere Schwester und sein jüngerer Bruder, in Deutschland geboren, hatte aber lange weder einen türkischen noch einen deutschen Pass. In zahlreichen Gesuchen übersetzte er seinen Eltern die Gespräche auf der Ausländerbehörde. Regelmäßige Briefe, die mit Abschiebung der Kinder drohten, verunsicherten die Familie zutiefst. Tahsim erzählt von der ausgeprägten Fremdenfeindlichkeit, die ihm in den jungen 2000ern begegnete und bis heute überproportional anhält:"Kopftuchmädchen" Alice Weigel, Bundeskanzler Merz sieht "Probleme im Stadtbild". "Kanake". Diskussion über das "Kopftuchverbot". "Die sind doch nur wegen unserer Sozialleistungen und dem Kindergeld hier". u.s.wDie Eltern wurden in eine Hochhaussiedlung am Rande Oldenburgs untergebracht. Ihre Nachbarn, russische, türkische, kurdische und arabische Menschen. "...wie illegale Müllentsorgung im Ausland. Nicht ordentlich getrennt, sondern alle auf einen Haufen geschmissen und sich selbst überlassen." Tahsim Durgun S. 44Ich erfahre alles über die Blicke in öffentlichen Verkehrsmitteln, die Gespräche in der Ausländerbehörde. Die Herabwürdigung durch Lehrpersonal, die Nichtintegration trotz Integrierbarkeit. Wie die "Kanaken" deutsche Mädchen verteidigen, weil die von deutschen Jungs sexuell belästigt werden. Aber Tahsim bringt mir auch das schönste Land der Welt nah, das Tahsims Mutter so sehr vermisst, dass mein Herz mit ihrem blutet. Die Liebe zu den Eltern und der damit verbundene große Respekt und die Achtung vor dem Alter. Wir können so viel lernen von anderen Kulturen.Fazit: Der Deutschlehrer, Autor, Podcaster, Content Kreator und mehrfach ausgezeichnete yezidische Kurde Tahsim Durgun ist unbestritten ein Multitalent. Er nutzt seine Fähigkeiten, um uns Deutschen die Schieflage in Deutschland zu erklären und das macht er mit einer Prise Zynismus, Humor, konstruktiver Kritik, aber auch Selbstkritik, ganz großartig. Er vermittelt seine Botschaft so leichtfüßig und authentisch, dass man ihn einfach lieb gewinnen muss. Ihn hätte ich früher gerne als Klassenlehrer gehabt. Ich weiß nicht, ob er die hartgesottenen, scheinbar unbelehrbaren Lappen da draußen erreicht (das wäre ja auch die Aufgabe deren Eltern gewesen) aber ich bin sicher, dass er die empathischen, toleranten Menschen in diesem Land bestärkt und wer weiß, vielleicht werden die lauter, gegen Fremdenhass. Dieses Buch sollte in deutschen Schulklassen Pflichtlektüre sein. Lest es und empfehlt es weiter!