" ... solange du da bist und der Baum da ist, bleibt für uns alles, wie es ist. Wo sollen wir denn hin ohne den Baum?"
Gefühlt war es schon immer da, das Wirtshaus "Der Baum". Und darin der Michel, auch irgendwie immer schon. Die Leute erzählen sich, dass es das Wirtshaus nur wegen eines Gewitters gibt. Doch ausgerechnet Gewitter jagen Michel einen Schrecken ein. Gut, dass die Stammkundin Liz im ärgsten Unwetter durch die Tür kommt und ihn in ein Gespräch verwickelt.
Michel, der sonst Bier zapft und zuhört, beginnt zu reden. Er erzählt, wie das Wirtshaus entstand, von Gästen, die gestorben sind, von früher, manchmal auch ein wenig von seiner Vergangenheit. Wie er der Heimat den Rücken gekehrt hat und sich geschworen hat, nie wieder zu kommen. Und doch wieder hinter der Schank gelandet ist.
"Der Baum" ist eine sanfte Erzählung, von einer Wirtshauskultur, die vielerorts schon ausgestorben ist. Von Vergangenheit und Zukunft, vertanen Chancen, Zusammenhalt. Sanft, unaufgeregt, obwohl viele Geschichten heftig sind. Das Leben halt.
Das Wirtshaus "Der Baum" ist es, das den Ort zusammenhält, und Michel die Konstante, der Baum, der das Wirtshaus zusammenhält. Gerade diese Paralellen, die unauffällig verwoben sind, haben mir sehr gut gefallen. Die Frage, wer der stabile Baum ist, Gewitter, die alles beginnen und alles enden lassen können.
Generell hat mich das Buch sehr gerührt. Die nostalgische Sehnsucht nach einer Zeit, die zwar viel härter war, in der man aber viel mehr zusammenhielt. Wo die Arbeit oft körperlich fordernd war - dafür fand sie irgendwann ein Ende, das gefeiert wurde. Wie das "Eisen", von dem erzählt wird am Stammtisch.
Für mich war es das erste Buch des Autors, für ihn sein letztes. Beim Nachwort des Lektors, der Tommie Goerz bei diesen Zeilen begleiten durfte, hatte ich Tränen in den Augen.
Fazit:
Eine sanfte Erzählung voller nostalgischer Sehnsucht.