Intensiv, empathisch, sprachlich ein Gedicht. Vollste Empfehlung.
Was für ein Meisterwerk! Ich musste etwas grüblen, was ich zu Morrisons "Beloved" schreibe. Es ist ein intensives, emotionales Buch, dass den Schmerz und die Nachwirkungen der Versklavung der Schwarzen in den USA langsam und dann immer heftiger in unsere Leseempfindung bringt.Ich wusste sehr wenig über den Plot und das war genau passend für meine Lektüre. Ein Bisschen erfahrt ihr auch in dem Vorwort der Autorin selbst. Den Roman und das Vorwort liest Abak Safaei-Rad und sie hat eine wundervolle Stimme, die selbst die traumatischen Erlebnisse mit so viel Empathie und Einfühlsamkeit liest, dass ich mich an die Hand genommen fühlte. Aber nicht falsch verstehen, die unglaubliche Kunst von Morrison liegt auch darin, dass sie Gewalt und Missbrauch reduziert schildert, gerade so, dass wir ihn uns vorstellen können, aber jeden Gewalteskapismus vermeidet. Wir bleiben somit immer in der Perspektive derer, die diese Gewalt erfahren musste. Ihre Protagonist*innen haben über die Zeit alle Coping Strategien entwickelt, wie sie damit umgehen konnten. Diese formen dann ebenso den Blick für uns als Lesende. Morrison zeigt ganz eindringlich, dass die Erlebnisse der Sklaverei transgenerational fortwirken, die Community als Ganzes und das Geschlechterverhältnis beeinflussen."Und deshalb, Denver, darfst du nie dorthin. Niemals. Denn auch, wenn das alles vorbei ist, aus und vorbei, für immer, wird es dort doch immer auf dich warten."Ich kann euch "Beloved" nur ans Herz legen. Es ist keine leichte Lektüre, dazu sind die Themen einfach zu heftig. Aber diese Lektüre bringt so viel Empathie mit, so viel Verständnis für eine Zeit, die noch immer fortwirkt, dass mit eben das Herz aufging. Dazu wirkt Morrisons Sprache für mich (in der Übersetzung von Tanja Handels) wie ein Gedicht. In der ungekürzten Hörbuchlesung perlen die Sätze von Abak Safaei-Rad, ich hätte da noch viel länger zuhören können. Ein kleiner Hinweis: Die Lieder wurden übrigens nicht aus dem Englischen übersetzt, was ich aufgrund ihrer volkstümlichen Herkunft eine richtige Entscheidung finde. Allerdings musste ich gerade wegen der melodischen Sprache dann ein paar Mal wiederholen, um sie ganz zu verstehen. Tanja Fornaro liest das Nachwort von Bernardine Evaristo, das den Roman der Nobelpreisträgerin nochmal einordnet. Sehr gelungen finde ich den Hinweis zu Beginn über die Einordnung von rassistischer Begriffe und die Entscheidung des Verlages, den Roman von einer Schwarzen Sprecherin einlesen zu lassen.Intensiv, empathisch, sprachlich ein Gedicht. Vollste Empfehlung. Begeisterte 5 von 5 Sternen.