Ehrlich, atmosphärisch und zum Nachdenken ¿ wer mehr Nähe zur Autorin erwartet, bleibt aber ein wenig auf Distanz.
Schon das Cover hat mich sofort gepackt: Weite, Natur, Abenteuer - und ein kleiner Hauch Gefahr. Selten hat mich ein Buchcover so unmittelbar angesprochen. Und der erste Eindruck beim Lesen war ähnlich stark. Veronica Skotnes schreibt unverblümt ehrlich, ohne Schnörkel und ohne Aufgeblasenheit - so, wie man einer guten Freundin von einer langen Reise erzählt. Ich konnte mich ein Stück weit in sie hineinversetzen und hatte beim Lesen manchmal fast das Gefühl, selbst an diesen abgelegenen Inseln der Finnmarkküste anzulanden.Besonders gut gefallen haben mir die philosophischen Einschübe, die immer wieder auftauchen - fast beiläufig, aber mit echtem Gewicht. Sie stellen Fragen, über die man noch eine Weile nachdenkt, wenn das Buch längst zugeklappt ist. Für mich drücken genau diese Momente aus, was das Leben auf einem Segelboot bedeuten könnte: den Horizont erweitern - nach außen und nach innen.Was mir gefehlt hat, ist die Nähe zur Autorin selbst. Ich weiß nach der Lektüre ein wenig, wer Veronica Skotnes ist - aber eben auch nicht wirklich. Mehr Emotionen, mehr Erinnerungen, mehr von dem Menschen hinter dem Steuer - das hätte das Buch für mich noch runder gemacht. Es muss kein dicker Wälzer sein, aber ein bisschen mehr Innenleben hätte ich mir gewünscht.Und dann sind da noch die Fotos im Innenteil. Nach dem wunderschönen Cover hatte ich hohe Erwartungen - und wurde leider enttäuscht. Schwarz-Weiß-Druck verwandelt das, was auf dem Deck eines Bootes atemberaubend sein könnte, in abstrakte Grauschattierungen. Hier wäre weniger mehr gewesen: lieber keine Fotos als solche, die dem Erlebten nicht gerecht werden.Unterm Strich: Ein atmosphärisches, ehrliches Buch mit echter Tiefe - das vor allem dann glänzt, wenn es aufhört zu berichten und anfängt zu denken.