Ein Krimi aus der Vorwendezeit, dessen Potential nicht gehoben wurde
Ein Bibliothekar und eine HNA-Journalistin (Hessisch/Niedersächsische Allgemeine) als aufklärerisches Duo in einem ominösen Fall, die sich zudem nahestehen bilden das Fundament eines eher schwachen Krimis, obwohl Zeit (1986) und auch die Lage zum Eisernen Vorhang (nordhessisches Zonenrandgebiet) das Zeug zu einer vielseitigeren Lektüre geboten hätten. So bleibt es bei einer kriminalistischen Schonkost, in der zwar die räumlichen Bezüge korrekt wiedergegeben werden, und auch so allerlei Anklänge an diese Zeit aufpoppen (u.a. Tschernobyl, Wackersdorf, Waldsterben, Club of Rome, Volkszählung und BVG, "Der weiße Hai" und dem musikalischen Ohrwurm "Tainted Love"), diese aber im Tagesgeschäft zur Randnotiz verkommen.Bis auf ein wenig Küchenphilosophie respektive -psychologie ("Das Leben war nichts als eine kurze Abwesenheit des Todes, ein Flackern im ewigen Strom der Zeit, das allzu schnell erlosch") gibt es eine solide strukturierte Erzählung, bei der allerdings atemraubende Spannungselemente gänzliche fehlen. Stattdessen gibt es ein wenig zu schmunzeln über ungelenke Methapern oder schräge Vergleiche: "Alles, was mal war, ist mit dem, was jetzt ist, verwoben. Wenn die Werra nicht irgendwann irgendwo entsprungen wäre, würde sie jetzt nicht an uns vorbeifließen." Alles in allem eine leichte Sommerlektüre, die auch bei über 30 Grad Celsius noch zu bewältigen ist.(27.8.2026)