Muss man mögen, muss man sich darauf einlassen können. Ich persönlich fand es sehr interessant und lesenswert.
Kyoko hat ihren Mann verloren, ganz plötzlich und steht nun mit Schulden und dem gemeinsamen Sohn alleine da. Die Familie des Verstorbenen unterstützt sie wo nur möglich. Ihre Familie in Japan geht mit der Trauer ganz anders um. Und auch Kyoko geht mit der Trauer anders um..."Aber, Kyoto, du weißt schon, dass Tote nicht verletzt werden. Nur die Lebenden." (Seite 179)Vermissen auf Japanisch - ein Buch was so komplett gegen den Mainstream rennt. Und darauf muss man sich einlassen können. Zu Beginn war dies nicht so einfach aber trotzdem hat mich dieses Buch fasziniert und begeistern können.Warum? Gute Frage.Der Schreibstil an sich ist gut, man kann den Gegebenheiten gut folgen und auch nachvollziehen. Aber die zeitlichen Abläufe sind äusserst sprunghaft und man wird immer hin und her geworfen. Das macht das Lesen auf der einen Seite zum Abenteuer und doch passt dieses Chaos einfach zu etwas was die eigene Welt so zerstört.Kyoko kommt aus Japan, hat sich mit Levi ein Leben in den USA aufgebaut. Und steht nun mit dem gemeinsamen Sohn alleine da.Die Familie von Levi kümmert sich so liebevoll um die beiden, gerade die Gespräche und Situationen mit der Schwiegermutter sind immer zum lächeln und auch nachdenken. Denn Kyoto macht dicht. Sie kann mit dieser Trauer nicht umgehen. Erst vermisst sie Levin, dann hasst sie ihn, dann denkt sie an gemeinsame Zeit zurück, fragt sich was sie falsch oder richtig macht.Auch die Erziehung und Beziehung zu ihrem Sohn wird beleuchtet und man merkt dass Kyoto in vielen Dingen, eigentlich, unsicher ist und zu Übertreibung neigt. Die Liebsten eher wegstösst mit ihrer erstickenden Fürsorge.Jede/r trauert anders. Kyoto bleibt in diesem Teil kühl, nüchtern, nicht zu greifen, oder schwer zu greifen. Ich würde es aber fast ihrer Tradition in Japan zuschreiben denn wenn man ihre Eltern, speziell die Mutter von Kyoto mit ins Blickfeld nimmt ergibt ihr Verhalten wiederum Sinn.Wie gesagt, die Geschichte an sich folgt nicht Schema F und auch und gerade Kyoto bleibt kühl und distanziert. Und trotzdem zeigt dieses Buch liebevoll auf was der Tod von geliebten Menschen mit uns macht, welche neuen Herausforderungen sich auftürmen und man versucht weiterzumachen.