"Dann tauchte Goebbels auf. Er stand auf einer von Mikrophonen belagerten Estrade und gestikulierte vor dem Feuerschein wie ein Teufelchen vor der Hölle. Er zeterte, salbaderte, rief Schriftsteller beim Namen und überantwortete ihre Bücher den Flammen und dem Vergessen. Das war kein Grosinquisitor, sondern ein kleiner, pöbelnder Feuerwerker. Hier rächte sich ein durchgefallener Literat an der Literatur."Erich Kästner. Oft wurde die Szene (von ihm selbst und anderen) beschrieben, die ihn gleichsam zum Symbol des stummen Widerstands im eigenen Land zur Zeit der NS-Diktatur, aber auch zum Symbol der Ratlosigkeit angesichts der Verbrechen und der Stimmung dieser Tage machte: Kästner, wie er in der Menge steht, während seine eigenen Bücher bei der großen Bücherverbrennung dem Feuer überantwortet werden und wie plötzlich eine Frau aus der Menge sagt: "Seht doch mal, da ist der Kästner!" Ein Ausdruck purer Überraschung wahrscheinlich. Was hatte der hier zu suchen, welch Widersinn trieb ihn an diesen Ort, wo gerade die neue Welt zelebriert wurde? Im Prinzip hatte Kästner damit etwas geschafft, was man heute nur allzu deutlich sieht: Die Lächerlichkeit des Unterfangens, dem sich Hitlers Terrorregime hier verschrieben hatte, aufzuzeigen, einfach mit seiner Anwesenheit.Nur wenige Humanisten haben ohne politische Konzessionen und grobe Fehler die Fülle der Ereignisse der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts überlebt. Kästner, ein Humanist par excellence, wenn auch ein pessimistischer, blieb in Deutschland während der 12 Jahre des Terrors in Frieden und Krieg und war danach am Wiederaufbau der deutschen Literatur beteiligt. Er hat sich nie für die Politik einspannen lassen und doch immer wieder, z.B. in seinen Epigrammen ( Kurz und bündig ) versucht die Menschheit zu warnen und zu bessern, wie er es bereits in der Weimarer Republik getan hatte.Natürlich hat in das Thema Bücherverbrennung nie wieder losgelassen. In den vier Texten dieses schönen kleinen Bandes, der auch vom Aussehen einiges hermacht, wirft dieses Thema weite Schatten. So geht es darin nicht nur um die Bücherverbrennung im dritten Reich, sondern auch um ihre Ursachen (Neid, Ignoranz), um einen Vorfall der Verbrennung in der Bundesrepublik und im letzten Text auch noch einmal um Literatur durch die nationalsozialistischen Jasagerliteratur, anhand einiger Beispiele der damaligen Briefe an die Röhrenstraße 10, nach der Behauptung, im Dritten Reich würde die "Freiheit des Geistes" erschlagen. Gerade dieser letzte Text ist überaus interessant.Abschließend hat Kästner das Wort:"Wir wussten nicht, was heute, nach vielen entsetzlichen Jahren, die ganze Welt weiß: Mit solchen Methoden kann man zwar ein Volk vernichten, Bücher aber nicht. Sie sterben nur eines natürlichen Todes."