Katrina und die unmittelbaren Folgen: Vergewaltigung, Plünderungen und selbstgerechte "besorgte" Bürger...
August 2005. Erste Meldungen über den heranstürmenden Hurrikan erreichen die Haushalte auf der ganzen Welt. Er trägt den wunderschönen Namen Katrina. Wieder so eine Meldung mit Bildern von zersplitterten Häusern, und endlichem Leid. Klar, wenn man Bretter zusammennagelt, dann reicht ein meteorologischer Nieser, um ganze Landstriche zu verwüsten. Doch es kam anders. So mancher macht sich schon in die Hose, wenn er auf der Autobahn 170 fährt - was in Deutschland stellenweise erlaubt ist, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Sirenen und Blaulichter en Masse nach sich zieht. Doch bis zu 340 km/h - das schaffte nur Katrina. Und ihr ging nicht so schnell die Puste aus. In dieser Trümmerwüste muss Dave Robicheaux für Recht und Ordnung sorgen. Denn Plündereien sind an der Tagesordnung. Schwarz und Weiß stehen sich wie im Bürgerkrieg verfeindet gegenüber - welcome to the south.Die Vergewaltigung einer jungen Frau steht im Fokus von Robicheaux' Ermittlungen. Und ein verschwundener Priester. Die sich neugegründete Bürgerwehr ist nur auf dem Papier eine Erleichterung. Dave Robicheaux ist das Treiben dieser Gerechtigkeitsfanatiker ein Dorn im Auge. Zurecht!Es war nur eine Frage der Zeit bis sich James Lee Burke der größten Naturkatastrophe im Süden USA widmet. Er und der Süden sind derart verschmolzen wie sonst nur Blues und Delta. Und nicht minder erstaunt wie er zugleich zu einem sprachgewaltigen Chronisten dieser monatelangen bleiernen Zeit wird. Heute ist Katrina nur noch ein Synonym für eine Hurrikan-Katastrophe. Krimiserien, Spielfilme und unzählige Bücher haben sich dem Phänomen Katrina angenähert. Immer aus der Distanz beschrieben Autoren die offensichtlichen Auswirkungen und verstärkten das, was eh schon bekannt war."Sturm über New Orleans", englisch "The tin roof blowdown" geht tiefer als die meisten Bücher. Dave Robicheaux räumt nicht im Voranschreiten so manches Trümmerteil beiseite. Er schaut auch, ob sich nicht doch noch ein Funken Licht darunter verbirgt. Er findet Licht. Doch wo Licht, da auch Schatten. Und wenn das Licht von einem Feuer herrührt, dann muss man der Brandursache auf den Grund gehen. So einfach ist das. So schwierig ist es dabei die Realität nicht aus dem Auge zu verlieren. Im Vorgängerroman "Dunkle Tage im Iberia Parish" setzt sich Burke mit dem Vietnamkrieg auseinander. Der war während des Schreibens knapp drei Jahrzehnte für beendet erklärt worden. Katrina war 2007 als "The tin roof blowdown" in den USA erschien so präsent wie der blaue Himmel über Stadt. Alles war noch frisch. Und trotzdem wartet James Lee Burke mit Erkenntnissen einer Katastrophe auf, die man erst beim zweiten oder dritten Hinsehen erkennen könnte.