4,5 ¿¿¿¿¿
Emotionales Finale mit starken Schwestern, faszinierenden Wesen und einer besonderen Verbindung zur Artus-Sage.
Was für ein Finale! Eine Geschichte, die mich zu Beginn der Reihe zunächst etwas ratlos zurückließ und die mich am Ende doch so tief in ihre Welt hineingezogen hat, dass ich mich nur schwer von Vianne, Maëlle und Aimée verabschieden konnte.Nach dem Biss einer Sylphe verliert die Hexe Vianne ihre Magie und muss ihre Heimat Frankreich und damit auch ihre große Liebe, den Großmagier Ezra, verlassen. Jahre später kehrt sie nahezu geheilt, aber scheinbar ohne magische Fähigkeiten, hinter die Große Mauer zurück. Sie will ihre Kräfte zurück und das Herz von Ezra erobern - doch inzwischen steht die gesamte Welt am Abgrund.Das Abkommen zwischen den Dämonen und der restlichen Welt läuft aus. Regulus, der Hochkönig der Dämonen, stellt für ein neues Friedensabkommen Bedingungen, die unannehmbar scheinen. Vianne und ihre Schwestern Aimée und Maëlle geraten mitten hinein in die politischen Intrigen am dämonischen Hof. Und als Vianne dort auch noch mit Ezras Eheschließung mit der Dämonenprinzessin Wega konfrontiert wird, wird ihre ohnehin schwierige Situation noch komplizierter.Gleichzeitig kommt sie dem geheimnisvollen Dämonenfürsten Aarvand von Coralis näher. Nach Viannes Gefangenschaft in der Dämonenfestung Morada überschlagen sich die Ereignisse. Es geht um Vianne und ihre Schwestern, um Aarvand und seinen Bruder Caleb, um den neuen Großmeister der Magier, Aden, um Verrat, Verluste und Entscheidungen, die weitreichende Folgen haben. Der Krieg rückt unaufhaltsam näher und nach einer waghalsigen Flucht liegt es schließlich an den Schwestern, den scheinbar unbesiegbaren Regulus aufzuhalten, bevor die Welt in Asche versinkt.Wenn ich an den ersten Band zurückdenke, muss ich allerdings zugeben: Sister of the Stars und ich hatten es zunächst nicht leicht miteinander. Ich fand keinen richtigen Zugang zu den Figuren. Vianne tat mir aufgrund ihrer Erkrankung und ihrer unerfüllten Liebe zu Ezra unglaublich leid - und trotzdem hat sie mich ziemlich oft genervt. Ja, ich habe mich sogar ertappt gefühlt, als Marah Woolf in ihrem Nachwort zu diesem dritten Band all jene ein wenig ins Gebet nahm, die offenbar zu wenig Verständnis für ein 15-jähriges Mädchen in einer absoluten Ausnahmesituation aufgebracht hatten. Aber was soll ich sagen? So war es bei mir eben. ¿Band 1 bekam deshalb von mir "nur" 3,5 Sterne.Auch Sister of the Moon konnte mich noch nicht vollständig überzeugen. Dennoch fand ich zunehmend Zugang zu den Schwestern und zu der faszinierenden Welt, die Marah Woolf geschaffen hat. Irgendwann war ich so tief in der Geschichte angekommen, dass ich sie ganz anders genießen konnte. Dafür gab es von mir bereits 4 Sterne.Und dann kam Sister of the Night.Was soll ich sagen? Der Verlauf der Geschichte hat mich mehrfach völlig überrascht. Schon zu Beginn der Reihe war erkennbar, dass es eine Verbindung zu Camelot und zur Artus-Saga gibt. Doch wie diese Verbindung tatsächlich aussieht und welche Rolle Figuren wie Artus, Lancelot und Guinevere spielen, wird erst nach und nach enthüllt. Auch Merlin wird hier auf eine ganz eigene und überraschende Weise interpretiert.Marah Woolf beweist dabei erneut ein besonderes Gespür für vielschichtige Charaktere. Ich habe mit ihnen gelitten, gehofft, mich geärgert und mitgefiebert. Und irgendwann war ich so tief in der Geschichte angekommen, dass ich selbst Entscheidungen, die ich rational durchaus fragwürdig fand, emotional nachvollziehen konnte.Mein persönliches Highlight sind allerdings ganz eindeutig die Schwestern.Vianne, Maëlle und Aimée könnten unterschiedlicher kaum sein und gerade deshalb funktionieren sie als Einheit so wunderbar. Sie stehen füreinander ein, ergänzen sich und wachsen im Laufe der Geschichte unglaublich stark über sich selbst hinaus. Ihre Entwicklung mitzuerleben, hat mir richtig viel Freude bereitet. Ich habe alle drei fest ins Herz geschlossen - wobei ich zugeben muss, dass ich Maëlles Art ganz besonders bewundert habe und Aimée mein absoluter Liebling geworden ist.Auch die männlichen Protagonisten haben ihren ganz eigenen Zauber. Sie sind ebenso unterschiedlich wie die Schwestern und jeder von ihnen bringt seine eigene Geschichte und Persönlichkeit mit. Trotzdem gehörte mein Herz in erster Linie den drei Schwestern.Und dann wären da noch all die Hexen, Magier und Dämonen, die sich im Laufe der Geschichte so fest in meine Gedanken geschlichen haben, dass ich viele von ihnen gar nicht mehr missen möchte. Von Regulus, seiner Tochter und seinen Schergen einmal abgesehen. ¿ Und eine gewisse Verräterin lassen wir ebenfalls einfach mal außen vor.Besonders gefallen hat mir auch die fantasievolle Auswahl der dämonischen Gestalten. Drachen, Kelpies, Selkies und noch so einiges mehr - Marah Woolf hat hier Wesen geschaffen, die man trotz ihrer Andersartigkeit einfach lieben muss.Die Geschichte hält unglaublich viele spannende, emotionale und teilweise auch sehr dramatische Momente bereit. Ich habe mitgefiebert, gehofft und natürlich auch die eine oder andere Träne vergossen.Das Ende habe ich dabei tatsächlich ein wenig gefürchtet. Denn irgendwie scheint es zu einer guten Fantasygeschichte dazuzugehören, dass auch auf der Seite der Guten nicht alle das Ende erleben. Und ja, ich habe einige von ihnen wirklich sehr betrauert.Dafür hat mich der Epilog wieder versöhnt. Die zahlreichen Nachkommen haben mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Vor allem die Art dieser Nachkommen hat mich teilweise ehrlich überrascht - zumindest gemessen an dem Wissensstand, den man zu Beginn des Buches hat. Mehr möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht verraten, sonst wäre die Spannung dahin. ¿FazitVon Band zu Band hat mich diese Reihe mehr für sich gewonnen. Was mit einer gewissen Distanz und Ratlosigkeit begann, entwickelte sich zu einer Geschichte, in der ich irgendwann ganz und gar angekommen war.Sister of the Night ist für mich ein emotionales, überraschendes und rundes Finale, das die Fäden der Trilogie zusammenführt und mich mit einem guten Gefühl zurücklässt. Besonders die Entwicklung der drei Schwestern, die faszinierende Welt und die Verbindung zur Artus-Sage haben mir ausgesprochen gut gefallen.Und so endet meine Reise mit Vianne, Maëlle und Aimée mit einem weinenden und einem lächelnden Auge - und verdienten 4,5 Sternen. ¿¿¿¿¿