Ein Buch über Veränderungen, zweiten Chancen und ganz viel Humor. Allerdings wird es für mich erst ab der Hälfte greifbar.
¿¿ 4,5/5 SterneMit Ever Since I Needed You beweist Elle Kennedy einmal mehr, wie gut sie Charaktere schreiben kann, die anecken, sich entwickeln und einem trotzdem ans Herz wachsen. Auch wenn diese Reihe für mich persönlich nicht ganz an meine Favoriten der Autorin heranreicht, steckt unglaublich viel Herz, Entwicklung und eine schöne Botschaft zwischen den Zeilen.Im Mittelpunkt stehen Genevieve "Gen" und Evan. Nachdem Gen ihre Heimat vor einem Jahr verlassen hat, kehrt sie durch ein einschneidendes Ereignis zurück. Damit holt sie nicht nur ihre Vergangenheit wieder ein, sondern auch Evan - ihre große On-Off-Liebe. Alte Gefühle sind sofort wieder da, genauso wie die Frage, ob sie sich von ihrem neuen Weg abbringen lässt oder endlich den Menschen sein kann, der sie inzwischen geworden ist.Gen hat ihre Entwicklung bereits begonnen. Sie möchte Verantwortung übernehmen, erwachsener werden und bewusst mit ihrem Leben umgehen. Genau deshalb ist die Rückkehr für sie so schwer, denn ständig wird sie mit der Person konfrontiert, die sie früher einmal war.Evan steht dagegen noch ganz am Anfang. Für ihn war Gen immer genau richtig, so wie sie war. Deshalb versteht er zunächst überhaupt nicht, warum sie sich verändern möchte. Erst nach und nach beginnt auch er zu erkennen, dass Veränderung nichts Schlechtes sein muss. Besonders schön fand ich, dass er diesen Weg am Ende nicht nur für Gen geht, sondern vor allem für sich selbst. Dadurch begegnen sich beide schließlich auf Augenhöhe - und genau das macht ihre gemeinsame Entwicklung so glaubwürdig.Was mir besonders gefallen hat, ist, dass beide Figuren am Ende nicht nur selbst merken, wie sehr sie sich verändert haben, sondern diese Veränderung auch von den Menschen gesehen wird, die ihnen wichtig sind. Gerade die Bestätigung durch Gens Vater hat mich sehr berührt. Und dass Gen später auch Evan zeigt, dass sie seine Entwicklung wahrnimmt, schließt diesen Kreis auf eine unglaublich schöne Weise.Was ich an Elle Kennedy bis heute liebe, ist ihr Schreibstil. Ihre Bücher lesen sich leicht, flüssig und machen einfach Spaß. Vor allem ihr Humor trifft bei mir immer wieder ins Schwarze. Die Dialoge sind schlagfertig, locker und fühlen sich unglaublich natürlich an. Gerade zwischen Gen und Evan gibt es einige Szenen, bei denen ich laut schmunzeln musste. Eine davon ist ein herrlich selbstironischer Schlagabtausch, in dem Evan mit einem einzigen Spruch zeigt, wie hoffnungslos er Gen längst verfallen ist. Genau diese kleinen Momente machen Elle Kennedys Geschichten für mich so besonders.Auch ihre Figuren bleiben ein echtes Markenzeichen. Sie sind überspitzt, machen Fehler und sind nicht immer leicht zu mögen. Genau dadurch wirken sie aber authentisch und entwickeln sich glaubwürdig. Als deutschsprachige Leserin fällt mir außerdem immer wieder ihre Namenswahl auf. Viele ihrer Figuren tragen eher seltene Namen, die einen hohen Wiedererkennungswert haben und sich auch über mehrere Bücher hinweg wunderbar auseinanderhalten lassen.Trotzdem gehört diese Reihe für mich persönlich nicht zu meinen stärksten von Elle Kennedy. Mir hat dieser typische Lesesog etwas gefehlt, den ich beispielsweise bei der Off-Campus-Reihe gespürt habe. Gleichzeitig wäre es unfair, das Buch deshalb schlechter zu bewerten. Gerade das letzte Drittel hat der Geschichte noch einmal richtig viel Tiefe verliehen. Offene Fragen - insbesondere rund um Gens Mutter - werden stimmig aufgegriffen und beide Hauptfiguren bekommen den Abschluss, den ihre Entwicklung verdient hat. Lediglich eine Kleinigkeit hat mich bis zum Schluss beschäftigt: Warum Evan Gen eigentlich "Fred" nennt, bleibt - zumindest für mich - unbeantwortet.Wer Geschichten über Selbstfindung, zweite Chancen, Found Family und Charaktere mit vielen Ecken und Kanten liebt, sollte sich dieses Buch definitiv anschauen."Du musst es für dich tun, nicht nur, weil du jemanden beeindrucken willst. Ändere dich oder nicht - so oder so bist du diejenige, die mit dem Ergebnis leben muss." (S. 205)Genau dieser Satz bringt das Herz der Geschichte auf den Punkt.