Absolutes BookTok-Phänomen mit brillanter Amateur-Ermittlerin und genialer Multi-Format-Erzählung. Der Hype ist verdient!
Ein alter Mordfall, den alle für längst geklärt halten. Eine tote Schülerin, deren mutmaßlicher Mörder ebenfalls tot ist. Eine ganze Kleinstadt, die den Fall vergessen möchte. Und ein 17-jähriges Mädchen, das sich weigert, sich mit der offiziellen Version zufriedenzugeben. Holly Jackson liefert mit "A Good Girl's Guide to Murder" das BookTok-Phänomen ersten Ranges, das weltweit über fünf Millionen Mal verkauft und inzwischen bei der BBC verfilmt wurde.Vor fünf Jahren wurde in der beschaulichen englischen Kleinstadt Little Kilton die 17-jährige Andie Bell ermordet. Die Polizei hat den Fall schnell gelöst: Ihr damaliger Freund Sal Singh soll sie getötet und danach Selbstmord begangen haben. Der Fall wurde geschlossen, die Stadt hat versucht zu vergessen, Sals südasiatische Familie wurde ausgestoßen, und sein jüngerer Bruder Ravi trägt das Stigma bis heute. Alle akzeptieren die offizielle Version. Alle bis auf Pippa "Pip" Fitz-Amobi. Für ihr Abschlussprojekt rollt sie den Fall neu auf, bewaffnet mit Laptop, Diktiergerät und einer beeindruckenden Portion Mut. Doch je näher sie der Wahrheit kommt, desto gefährlicher wird ihre Recherche. Wenn Sal nicht der Mörder war, wer dann? Und ist dieser Mörder noch immer in der Kleinstadt?Pip Fitz-Amobi ist der wichtigste Grund für meine Begeisterung. Holly Jackson hat mit ihr eine der besten YA-Heldinnen der letzten Jahre erschaffen. Pip ist keine Prinzessin, die auf ihre große Liebe wartet, sondern eine intelligente, entschlossene junge Frau mit klarem moralischem Kompass. Sie ist realistisch komplex: gleichzeitig Schülerin mit Abiturstress und Amateur-Ermittlerin, hat Ängste und geht trotzdem weiter, macht Fehler und lernt aus ihnen. Ihre Motivation ist keine oberflächliche Neugier, sondern der Glaube an Gerechtigkeit für einen Menschen, den ihre Kleinstadt vorschnell verurteilt hat. Für junge Leserinnen ist Pip eine wirklich empowernde Figur.Ein absolutes Highlight ist die Multi-Format-Erzählweise. Holly Jackson mischt Pips Ich-Erzählung mit Interview-Transkripten, handschriftlichen Notizen, Karten von Little Kilton, To-Do-Listen, Zeitungsausschnitten und Textnachrichten. Als Leser:in wühlt man sich buchstäblich durch Pips Recherche-Mappe. Diese Erzählform macht das Buch unglaublich immersiv, für True-Crime-Fans wird das Mitermitteln zum Ereignis. Man stellt Hypothesen auf, sammelt Verdächtige, überprüft Alibis. Der One Verlag hat die Gestaltung in der deutschen Ausgabe wunderbar umgesetzt.Was das Buch über durchschnittliche YA-Thriller hinaushebt, ist die gesellschaftskritische Ebene. Holly Jackson erzählt nicht nur eine spannende Mordermittlung, sondern eine Geschichte über Kleinstadt-Vorurteile und institutionellen Rassismus. Sal Singh war ein südasiatischer Jugendlicher in einer überwiegend weißen englischen Kleinstadt. Wie stark hing die Bereitschaft, ihn ohne weitere Prüfung als Mörder zu akzeptieren, mit seinem Migrationshintergrund zusammen? Jackson stellt diese Frage subtil, aber unmissverständlich. Auch die kritische Auseinandersetzung mit der True-Crime-Kultur selbst ist präsent: Wie weit darf man in Ermittlungen gehen? Wie respektiert man Angehörige?Ravi Singh als Ermittler-Partner ist eine wunderbar gezeichnete Figur. Sein südasiatischer Hintergrund wird nicht als Klischee dargestellt, sondern als integraler Teil seiner Identität. Die Chemie zwischen ihm und Pip entwickelt sich organisch, ohne den Mordfall in den Hintergrund zu drängen.Wichtig zu wissen: "A Good Girl's Guide to Murder" ist Auftakt einer Trilogie plus Novella, alle beim One Verlag auf Deutsch erschienen. Wer mit Pip eine neue Lieblings-Heldin gefunden hat, kann sich also auf viele weitere Ermittlungsstunden freuen.