Eine berührende Idee, die mich leider nicht ganz erreichen konnte
"Bleib bei mir, Sam" von Dustin Thao ist für mich ein Buch, das mir das Bewerten ungewöhnlich schwer macht. Die Grundidee ist wunderschön und emotional - und gerade der Anfang sowie das Ende haben mich wirklich berührt. Der Einstieg fängt die Trauer, den Verlust und die innere Zerrissenheit sehr feinfühlig ein, und auch die letzten Kapitel haben mich wieder an die Geschichte herangeführt und gezeigt, welches Potenzial in ihr steckt.In der Mitte jedoch hat mich der Roman leider verloren. Für mein Gefühl wiederholen sich bestimmte Situationen sehr stark, ohne dass sich die Handlung merklich weiterentwickelt. Natürlich trauert jeder Mensch anders, und dass die Protagonistin sich nach Sams Tod zurückzieht, sich abkapselt und versucht, ihren Weg allein zu gehen, ist vollkommen nachvollziehbar. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass genau dieses große emotionale Potenzial der Geschichte nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Ich hätte mir mehr Tiefe, mehr Entwicklung und mehr Nuancen gewünscht - anstatt so viele Seiten, in denen sich ähnliche Gedanken und Momente wiederholen.Die Idee mit den Anrufen an den Verstorbenen ist außergewöhnlich und eigentlich sehr schön. Sie bietet eine zarte, fast magische Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Trotzdem hat sie mich persönlich emotional nicht ganz abgeholt, weil die Begegnungen für mich zu oft gleich verliefen und sich die Intensität der Botschaft dadurch etwas abgeschwächt hat.Sehr schade fand ich auch, dass Nebenfiguren wie Mika und Oliver nur kurz angerissen wurden - obwohl gerade sie für mich sofort Tiefe und Potenzial gezeigt haben. Ich hätte gerne mehr über sie erfahren, denn sie hätten der Geschichte zusätzliche Ebenen und vielleicht auch etwas Leichtigkeit oder Kontrast schenken können.Insgesamt ist "Bleib bei mir, Sam" eine traurige, feinfühlige Geschichte über Trauer, Loslassen und die Liebe, die bleibt. Die Grundstimmung ist nachvollziehbar und die Emotionen sind greifbar. Doch für mich persönlich hätte die Handlung mehr Tiefe, Vielfalt und Entwicklung gebraucht, um die starke Grundidee wirklich auszuschöpfen.Trotz allem spürt man, wie viel Herz der Autor in dieses Buch gelegt hat - und genau das macht es mir wichtig, diese Kritik sanft und respektvoll zu formulieren. Es ist ein schönes, trauriges Buch, das vermutlich viele Menschen tief berühren wird - bei mir hat es jedoch nur stellenweise funktioniert.