Der zerbrochene Krug, 1808 uraufgeführt und 1811 publiziert, ist Kleists meisterhafte Komödie über Recht, Wahrheit und die Brüchigkeit öffentlicher Autorität. In einem niederländischen Dorf soll Dorfrichter Adam den nächtlichen Schaden an Marthe Rulls Krug aufklären; Schritt für Schritt enthüllt das Verfahren jedoch seine eigene Schuld. Die streng gebaute Einakterdramaturgie verbindet analytische Spannung, derbe Komik und sprachliche Virtuosität. Im Kontext der Weimarer Klassik und Frühromantik wirkt das Stück zugleich traditionsbewusst und subversiv: Es parodiert Gerichts- und Erkenntnisrituale, ohne den moralischen Ernst preiszugeben. Heinrich von Kleist (1777-1811), preußischer Offizier, Verwaltungsbeamter und rastloser Schriftsteller, war geprägt von Krisenerfahrungen der Aufklärung, politischen Umbrüchen und einem tiefen Misstrauen gegenüber vermeintlich sicheren Wahrheiten. Seine Kant-Lektüre, seine Beobachtung bürokratischer Macht und sein Sinn für psychologische Ausnahmezustände verdichten sich hier zu einer Komödie, in der Sprache ebenso enthüllt wie verschleiert. Diese Ausgabe der Klassiker der Weltliteratur empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die ein kanonisches Drama in seiner überraschenden Modernität entdecken möchten. Kleists Stück ist unterhaltsam, scharfsinnig und nachhaltig irritierend: ein Lehrstück über Machtmissbrauch, Begehren und die schwierige Suche nach Gerechtigkeit.