Manchmal, ja manchmal, da passiert es, dass ein Buch einen einfach packt, ohne dass man genau weiß, warum. Es ist nicht die große, epische Schlacht, nicht der weltbewegende Plot, nicht die tiefgründige Philosophie. Es ist etwas viel Einfacheres, viel Wahreres. Es ist das Gefühl, das ein Buch hinterlässt wie eine gute Tasse Tee an einem regnerischen Nachmittag, wie das erste Aufblättern eines neu gekauften Romans. Genau so ein Buch habe ich in den Händen gehalten: Bücher und Barbaren von Travis Baldree.
Es beginnt mit einem Kampf, mit einem Fehler, mit einer Verletzung und mit einer Ork-Kriegerin namens Viv, die plötzlich nicht mehr kämpfen kann. Also wird sie in einer kleinen, verschlafenen Küstenstadt namens Murk abgesetzt. Und während ihr Bein heilt, heilt etwas ganz anderes in ihr heran. Sie lernt Fern kennen, eine Rattenfrau, die einen heruntergekommenen Buchladen betreibt. Sie lernt Maylee kennen, eine Zwergin mit Backblechen und einem Lachen, das einen wärmt. Sie lernt Gallina kennen, eine vorlautes Gnomenmädchen, das am liebsten mit Messern spricht. Und sie lernt Ränzel kennen einen Homunkulus aus Knochen, der mehr ist, als er scheint.
Aber es ist nicht die Handlung, die dieses Buch so besonders macht. Es ist die Stimmung. Es ist die Liebe zum Detail, die Liebe zu den kleinen Dingen. Es ist das Polieren eines Kupferkrugs, das Streichen einer Tür, das Einräumen von Büchern und plötzlich wird daraus ein Abenteuer. Ein Abenteuer der leisen Töne, der herzerwärmenden Gesten, der stillen Hoffnungen. Es erinnert mich an das, was ich an Büchern am meisten liebe: dass sie uns Geschichten schenken, die wir nicht erwartet haben.
Travis Baldree schreibt, wie man durch ein Dorf schlendert man bleibt stehen, schaut sich um, atmet ein. Sein Stil ist flüssig, federleicht, voller Charme. Ich habe jede Seite genossen, jede Zeile. Es ist ein Wohlfühlbuch im besten Sinne, ohne kitschig zu sein. Es hat Humor, es hat Herz, es hat ein bisschen Magie und ganz viel Literaturliebe.
Meine Lieblingsszene? Die, in der Viv und Maylee auf dem Meer sitzen, altes Brot an Fische verfüttern und über das Leben reden. Kein lautes Getöse, kein Knalleffekt nur zwei Personen, die sich sehen. Und das ist mehr wert als jede Schlacht.
Das Buch hat mich besser unterhalten als der erste Band, "Magie und Milchschaum". Es ist reifer, ruhiger, tiefer. Ich habe es verschlungen und es hat mich nicht losgelassen. Keine langatmigen Beschreibungen, keine überflüssigen Nebenschauplätze. Einfach eine Geschichte, die man gerne begleitet.
Ja, es könnte verfilmt werden. Und zwar wunderbar. Als Serie, als charmante Mini-Serie im Stil von "Gilmore Girls" trifft "Der Herr der Ringe". Ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Alltag, viel Herz. Man müsste kaum etwas hinzuerfinden die Bilder stehen schon alle im Buch.
Und ich vergebe 5 Sterne (aufgerundet von 4,5 denn der fehlende halbe Punkt liegt daran, dass die Handlung manchmal etwas zu vorhersehbar ist und die Action nicht im Vordergrund steht.)
Warum? Weil es mir gegeben hat, was ein Buch einem Leser geben sollte: Freude. Wehmut. Wärme. Weil ich mich in Murk zu Hause gefühlt habe. Weil ich Viv, Fern und Maylee nicht vergessen werde. Weil das Ende mich berührt hat und der Epilog mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Es ist nicht fehlerfrei, aber es ist rund, ehrlich und von Herzen. In seiner Art, in seiner Stille, in seiner Großartigkeit.
Also, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie Lust auf eine Geschichte haben, die unter die Haut geht ohne laut zu sein , dann greifen Sie zu diesem Buch. Es wird Sie nicht loslassen. Und wenn Sie es zuklappen, werden Sie sich wünschen, Sie könnten noch ein paar Seiten bleiben.
Fazit: Ein magisches, warmherziges Buch für alle, die Geschichten lieben und die Menschen, die sie teilen.