Mehr Familiengeschichte als Thriller
er Klappentext und auch der Prolog von Nachtwald haben mich sehr neugierig gemacht. Ein abgelegenes Herrenhaus mitten im Wald, eine Familie, die sich nach langer Zeit wieder trifft, und dann taucht plötzlich ein unerwarteter Gast auf - das klang für mich nach einem richtig spannenden Thriller.Leider konnte das Buch diese Erwartungen nicht erfüllen.Den Anfang fand ich tatsächlich noch richtig gut. Die Ausgangssituation der Patchworkfamilie im abgelegenen Haus hat mir gefallen und auch die Tochter, die gerade aus einer Suchtklinik kommt, fand ich interessant und stellenweise sehr gut beschrieben. Gerade ihre Gefühle und ihr Umgang mit ihrer Vergangenheit waren für mich nachvollziehbar.Danach hat die Geschichte für mich allerdings immer mehr nachgelassen. Es gab zwar ständig neue Wendungen und falsche Fährten, aber irgendwann waren es einfach zu viele. Was anfangs noch für Spannung gesorgt hat, wurde zunehmend verwirrend und wirkte auf mich teilweise ziemlich konstruiert. Dazu kamen einige Längen, sodass ich mich zwischendurch doch etwas zum Weiterlesen motivieren musste.Auch die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander konnte ich nicht immer nachvollziehen. Gerade manche Situationen innerhalb der Familie wirkten auf mich ziemlich seltsam und teilweise einfach nicht glaubwürdig. Von einem Thriller hätte ich mir außerdem deutlich mehr Spannung und vor allem tiefere Abgründe erwartet. Der große Showdown konnte mich dann leider ebenfalls nicht überzeugen.Trotzdem hat mich das Buch nicht komplett gelangweilt. Als etwas ungewöhnliche Familiengeschichte mit einigen Spannungselementen hat es mich durchaus unterhalten. Besonders der Zusammenhalt der Familie hat mir gegen Ende gefallen und sorgt zumindest für einen versöhnlichen Abschluss.Insgesamt war Nachtwald für mich leider eher eine Familiengeschichte mit Spannungselementen als ein richtiger Thriller. Schade, denn der Anfang hatte definitiv Potenzial.