Drachen, Macht und Liebe im Konflikt: Freed by Fire ist ein intensives, emotionales Finale voller Mut.
Mit Freed by Fire schließt Liane Mars ihre Dilogie Funken und Asche ab und verleiht der im ersten Band angelegten Drachenfantasy eine deutlich reifere, komplexere Ausrichtung. Während der Auftakt noch stark von Etablierung, romantischer Spannung und dem Kennenlernen des ungewöhnlichen Magiesystems geprägt war, rückt der zweite Band Handlung, politische Konflikte und moralische Entscheidungen konsequent in den Vordergrund.Caja und Sy haben alles aufgegeben, um Drachen und Reich zu retten, doch Freiheit bleibt ein fragiles Gut. Caja wird erneut in ihre Rolle als Prinzessin gezwungen und soll eine arrangierte Ehe eingehen, während Sy getrennt von ihr für dieselbe Sache kämpft. Die parallele Erzählweise aus beiden Perspektiven erweist sich dabei als große Stärke des Romans: Sie verdeutlicht nicht nur die emotionale Distanz, sondern auch, wie unterschiedlich Macht, Loyalität und Verantwortung erlebt werden können.Besonders gelungen ist die Weiterentwicklung der Protagonisten. Caja zeigt sich als reflektierte, belastbare Figur, die gelernt hat, dass Mut nicht nur im Widerstand, sondern auch im Aushalten schwieriger Entscheidungen liegt. Sy hingegen überzeugt durch emotionale Offenheit und moralische Konsequenz; seine Verletzlichkeit verleiht der Geschichte Tiefe, ohne ihn zu idealisieren. Ihre Beziehung ist weniger konflikthaft als im ersten Band, dafür glaubwürdiger und gefestigter, was der Erzählung spürbar guttut.Inhaltlich erweitert der Roman die Welt erheblich. Politische Intrigen, historische Hintergründe und neue Machtstrukturen treten stärker hervor und relativieren frühere Gewissheiten. Zwar rückt das detaillierte Worldbuilding stellenweise zugunsten des hohen Erzähltempos in den Hintergrund, doch bleibt die Welt konsistent und atmosphärisch. Besonders die Drachen sind erneut vielschichtig und individuell gestaltet und tragen wesentlich zur emotionalen Wirkung bei.Der Schreibstil ist flüssig, zugänglich und deutlich dynamischer als im ersten Band. Die Handlung verdichtet sich kontinuierlich, überraschende Wendungen sorgen für Spannung, ohne konstruiert zu wirken. Kleinere logische Unschärfen fallen angesichts des erzählerischen Sogs kaum ins Gewicht.Insgesamt ist Freed by Fire ein überzeugender Abschluss, der die Reihe thematisch abrundet und emotional trägt. Die Dilogie verbindet Romantasy mit politischer Fantasy, ohne sich auf eines von beidem zu beschränken, und hinterlässt den Eindruck einer in sich stimmigen, kraftvollen Erzählung, deren größter Trumpf starke Figuren und eine konsequent erzählte Entwicklung sind.