Der Schädel von Sant'Abbondio" ist der vierte Fall der Tessin-Krimireihe rund um Moira Rusconi - und erneut verbindet Mascha Vassena atmosphärisches Lokalkolorit mit einem ruhigen, aber spannenden Cosy-Crime-Plot.Die Geschichte beginnt während der Weinlese in Montagnola, als Lunas Hund auf dem Weinberg einen alten menschlichen Schädel findet. Die Überraschung schlägt jedoch schnell in Bestürzung um: Der Tote ist Domenico, ein Jugendfreund von Moiras Vater Ambrogio, der vor fünfzig Jahren spurlos verschwunden war. Da alte Konflikte zwischen den beiden nie ganz geklärt wurden, gerät Ambrogio plötzlich ins Visier - und im Dorf machen erste Gerüchte die Runde. Noch bevor die Beteiligten zur Ruhe kommen können, erschüttert ein weiterer Todesfall die Gemeinschaft.Die Atmosphäre ist eine der großen Stärken des Romans. Montagnola wirkt lebendig und greifbar - Weinberge, kleine Lokale, Dorfgemeinschaft und Tessiner Flair sorgen für echtes Kopfkino. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und haben Ecken und Kanten. Gerade das Zusammenspiel aus Ermittlungsarbeit und persönlichen Momenten macht die Geschichte stimmig. Der Krimi selbst bleibt eher ruhig und unblutig, entwickelt aber durch überraschende Wendungen und geschickt gesetzte Hinweise eine konstante Spannung. Bis zum Schluss bleibt unklar, wie die Puzzleteile zusammengehören. Humorvolle Szenen, tierische Begleiter und die warmen Beziehungen innerhalb der Familie lockern die Handlung zusätzlich auf. Ein kleiner Wermutstropfen: Wer neu in die Reihe einsteigt, könnte zu Beginn mit der Vielzahl an Figuren kämpfen. Ein Personenverzeichnis wäre hilfreich gewesen. Mit etwas Geduld findet man sich jedoch gut ein.Insgesamt ist "Der Schädel von Sant'Abbondio" ein abwechslungsreicher, atmosphärischer Cosy-Krimi, der Spannung, Herz und mediterranes Flair harmonisch verbindet. Eine lesenswerte Fortsetzung, die Lust auf weitere Fälle im Tessin macht.