Gute Idee, lieblose Umsetzung ¿ nach 227 Seiten abgebrochen, wegen zu viel Wiederholung und Misscommunication
Ich bin mit großen Erwartungen an The Wrong Bride herangegangen: Das Cover ist traumhaft, der Farbschnitt perfekt und der Klappentext klingt nach einer dramatischen, romantischen Geschichte voller Herzklopfen und Tränen. Ich liebe ja alles ums Thema Hochzeit, also auch arranged marriage oder marriage oo convenience reizt! Die Grundidee - die "falsche Braut" inmitten von High-Society-Romanzen - hat definitiv Potenzial. Leider konnte mich die Umsetzung überhaupt nicht überzeugen.Der Schreibstil wirkt für mich sehr jung und erinnert stark an Fanfiction. Die Figuren bleiben eindimensional: Raven ist durchgehend die aufopferungsvolle, "zu gute" Protagonistin, während Schwester und Mutter fast karikaturhaft egoistisch oder übertrieben streng dargestellt werden. Subtilität, emotionale Tiefe oder Grautöne sucht man hier vergeblich.Was mir am meisten zu schaffen machte, waren die endlosen Wiederholungen und die zentrale Misscommunication. Trotz Dual POV - man bekommt die Gedanken beider Hauptfiguren - drehen sich die inneren Monologe über hunderte Seiten um exakt dasselbe Problem: Beide lieben sich, beide denken, der andere empfindet nicht dasselbe, und niemand redet miteinander. Ein einziges klärendes Gespräch hätte die Geschichte vermutlich auf 30 Seiten verkürzt. Gerade bei erwachsenen Figuren wirkte das auf mich zunehmend unrealistisch und frustrierend. Auch Ares' Verhalten fand ich irgendwann unglaubwürdig. Einerseits der pflichtbewusste, loyale Mann, der alles für seine Frau tun würde - und dann plötzlich die Kontrollfreak-Seite, die Raven sofort mit Misstrauen und Eifersucht begegnet. Bei Raven fand ich das selbe Problem. Sie wird gezeichnet als Mary Sue. Die perfekte und so wahnsinnig hübsche Frau die ein erfolgreiches Modelabel hat - achja und natürlich in verschiedenen Magazinen als die schönste Frau der Welt betitelt wird. Aber obwohl sie sehr erfolgreich ein Business betreibt, ist sie im Umgang mit ihrem eigenen Mann so unbeholfen und naiv, dass ich mich echt gefragt habe, ob sie eine gespaltene Persönlichkeit besitzt. Hier hätte ein klarerer Figurenaufbau Wunder gewirkt.Die Trope selbst ist definitiv reizvoll, aber die Umsetzung macht sie kaum genießbar. Für sehr junge Leser:innen sind die Szenen teilweise zu explizit, für erwachsene Leser:innen bleibt die Handlung kindlich und repetitiv. Nach 47 % habe ich das Buch abgebrochen - und war ehrlich gesagt eher erleichtert als enttäuscht.Kurz gesagt: Idee gut, Ausführung leider enttäuschend. Wer auf seichte, vorhersehbare Romance ohne echte Entwicklung steht, mag hier vielleicht seinen Spaß haben. Für mich war es aber ein klarer DNF - und ein gutes Beispiel dafür, dass Potenzial allein noch lange keine überzeugende Geschichte macht.