Nachdem Lia von ihrem langjährigen Freund Preston und ihrem eigenen Vater auf hinterhältige Weise verraten wird, verliert sie nicht nur ihre Beziehung, sondern auch ihren erhofften Platz im Familienunternehmen. Um Abstand zu gewinnen und ihrem toxischen Ex-Partner zu entkommen, zieht sie kurzerhand zu ihrem Bruder Holden nach Creighton. Dort beginnt sie einen neuen Job in der Feuerwache, in der Holden als Notfallsanitäter arbeitet. Schon bald begegnet sie dessen bestem Freund Garrick, ebenfalls Notfallsanitäter. Zwischen den beiden entsteht vom ersten Moment an eine starke Anziehung. Da jedoch beide erst kürzlich eine gescheiterte Beziehung hinter sich haben, wollen sie es zunächst unverbindlich halten. Doch Gefühle lassen sich bekanntlich nicht einfach kontrollieren.
Ich mochte "Anatomy of a Broken Promise" insgesamt sehr gerne. Besonders das Setting, der wunderbare, flüssige Schreibstil und die beiden Hauptcharaktere haben dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.
Marie Wowes schreibt unglaublich leicht und mitreißend, sodass die Seiten nur so dahinfliegen. Gleichzeitig schafft sie es, den Figuren und ihren Emotionen genügend Raum zu geben, sodass ich schnell wieder vollkommen in der Geschichte angekommen war. Es hat sich ein bisschen wie Nachhausekommen angefühlt, erneut nach Creighton zurückzukehren und die Feuerwache sowie die liebgewonnenen Charaktere aus dem ersten Band wiederzutreffen.
Lia und Garrick mochte ich beide unglaublich gerne. Lia ist ein herzlicher, freundlicher und authentischer Mensch, mit dem man sich sofort identifizieren kann. Besonders gefallen hat mir, dass sie trotz allem, was ihr widerfahren ist, nicht naiv handelt. Sie blickt kritisch auf ihre vergangene Beziehung zurück und erkennt nach und nach, wie manipulativ und narzisstisch Preston ihr gegenüber gehandelt hat. Statt sein Verhalten zu entschuldigen oder an der Beziehung festzuhalten, reflektiert sie ihre Vergangenheit ehrlich und zieht die Konsequenzen daraus. Gerade diese Entwicklung machte sie für mich zu einer sehr starken Protagonistin.
Garrick hat mich ebenfalls absolut überzeugt. Obwohl er zu Beginn als bindungsunfähig beschrieben wird, zeigt er sich Lia gegenüber von einer ganz anderen Seite. Er ist aufmerksam, sensibel, rücksichtsvoll und unterstützt sie genau in dem Maß, das sie braucht, ohne sie zu bevormunden oder ihr Entscheidungen abzunehmen. Stattdessen gibt er ihr den Raum, nach und nach wieder zu sich selbst zu finden und neues Vertrauen aufzubauen. Gerade diese ruhige, reflektierte Art hat ihn für mich unglaublich sympathisch gemacht.
Auch die Liebesgeschichte zwischen den beiden konnte mich komplett überzeugen. Ihre Beziehung entwickelt sich nachvollziehbar und fühlt sich ehrlich an. Die Chemie zwischen Lia und Garrick war für mich jederzeit spürbar, und ich habe ihnen ihre Gefühle füreinander ohne Probleme abgenommen. Es gibt viele ruhige, emotionale Momente, die zeigen, dass ihre Verbindung auf Vertrauen, Verständnis und gegenseitigem Respekt basiert, anstatt sich ausschließlich auf körperliche Anziehung zu stützen.
Was mich - ähnlich wie bereits im ersten Band - allerdings etwas gestört hat, war das Ende des Romans. Über weite Strecken lebt die Geschichte von ihren leisen Tönen, den zwischenmenschlichen Entwicklungen und der emotionalen Heilung der Figuren. Umso mehr wirkte das Finale auf mich wieder deutlich dramatischer als der restliche Verlauf der Handlung. Zwar war die Zuspitzung grundsätzlich nicht unlogisch, dennoch hatte ich erneut das Gefühl, dass zum Schluss unbedingt noch etwas möglichst Großes passieren musste. Dadurch wirkte das Ende auf mich etwas konstruiert und nicht ganz stimmig zum restlichen Ton des Buches. Ein ruhigeres, reduzierteres Finale hätte meiner Meinung nach besser zur Geschichte gepasst und ihre Authentizität noch stärker unterstrichen.
Ein weiterer Punkt, der für mich etwas zu kurz kam, war Garricks angebliche Bindungsunfähigkeit. Immer wieder wird angedeutet, dass seine vorherige Beziehung genau daran gescheitert ist. Allerdings bleiben die Hintergründe sehr vage. Ich hätte mir hier mehr Einblicke in seine Vergangenheit oder zumindest ein klärendes Gespräch gewünscht, um besser nachvollziehen zu können, weshalb er sich selbst als bindungsunfähig betrachtet und was letztlich den entscheidenden Wandel ausgelöst hat. Dadurch wirkte seine Entwicklung für mich stellenweise etwas zu plötzlich.
Auch Lias Konflikt mit Preston und ihrem Vater konnte mich am Ende nicht vollständig überzeugen. Nach allem, was die beiden ihr angetan haben, hätte ich mir eine andere Auflösung gewünscht. Das Ende spielte ihnen für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Karten.
Fazit
Doch trotz dieser Kritikpunkte hat mir der Roman insgesamt wirklich gut gefallen. Vor allem die authentischen Figuren, die gefühlvolle Liebesgeschichte, das Wiedersehen mit Creighton und der wunderbar flüssige Schreibstil haben dafür gesorgt, dass ich das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe.