Romantasy in der Unterwelt: düster, elegant und emotional ¿ wo Tod, Liebe und Macht aufeinandertreffen.
Mit Der Onyxpalast - wo die Toten tanzen entwirft Stefanie Lasthaus einen atmosphärisch dichten Romantasy-Auftakt, der walisische Mythologie, Unterweltsfantasy und politische Intrigen zu einer eigenständigen ästhetischen Welt verbindet. Ausgangspunkt ist Gwens radikaler Versuch, den Tod ihres Bruders nicht zu akzeptieren. Ihre Reise in die walisische Unterwelt Annwyn folgt dabei weniger klassischen Heldenmustern als einer emotional motivierten Grenzüberschreitung zwischen Trauer, Schuld und Hoffnung.Besonders hervorzuheben ist das Worldbuilding: Der Onyxpalast fungiert nicht als bloß düsterer Ort des Todes, sondern als opulenter Übergangsraum, in dem Vergänglichkeit, Schönheit und Macht eng miteinander verwoben sind. Der rauschende Totenball, an dem Verstorbene und Totengötter gleichermaßen teilnehmen, verschiebt gängige Unterweltkonzepte und etabliert einen Kosmos, der zugleich befremdlich und faszinierend wirkt. Lasthaus nutzt diesen Schauplatz, um Machtstrukturen, göttliche Hierarchien und politische Spannungen subtil in die Handlung einzubetten.Die Figurenzeichnung trägt wesentlich zur Wirkung des Romans bei. Gwen ist als Protagonistin weder idealisiert noch passiv, sondern geprägt von emotionaler Verletzlichkeit und strategischer Klugheit. Ihr Status als Lebende unter den Toten erzeugt eine permanente narrative Spannung. Aran, Herrscher der Unterwelt, wird nicht als reiner Love Interest inszeniert, sondern als ambivalente Machtfigur, deren Anziehungskraft aus Geheimnis, Autorität und Zurückhaltung erwächst. Die romantische Dynamik bleibt bewusst kontrolliert und unterstützt die übergeordnete Dramaturgie, ohne sie zu dominieren.Auch die Nebenfiguren, insbesondere andere Totengötter, erweitern den mythologischen Horizont der Geschichte und verleihen dem Text zusätzliche Tiefe. Stilistisch überzeugt der Roman durch eine bildreiche, sinnliche Sprache, die Atmosphäre über Handlungsexzess stellt. Insgesamt gelingt Lasthaus ein eigenständiger Romantasy-Roman, der Tod nicht als Endpunkt, sondern als erzählerischen Möglichkeitsraum begreift und damit einen starken Grundstein für die folgende Trilogie legt.