James Joyces "Ulysses" entfaltet an einem einzigen Tag, dem 16. Juni 1904, die Irrgänge Leopold Blooms, Stephen Dedalus' und Molly Blooms durch Dublin und verwandelt alltägliche Verrichtungen in ein modernes Epos. In spielerischer Anlehnung an Homers "Odyssee" verbindet der Roman mythologische Struktur mit radikalem Realismus, Parodie, innerem Monolog und Bewusstseinsstrom. Seine wechselnden Stile, von Zeitungsprosa bis Katechismusform, machen ihn zu einem Schlüsselwerk der literarischen Moderne. James Joyce, 1882 in Dublin geboren und seit 1904 überwiegend im europäischen Exil lebend, schrieb aus der Distanz über eine Stadt, die er mit fast topographischer Genauigkeit erinnerte. Katholische Erziehung, irischer Nationalismus, Sprachskepsis und persönliche Entwurzelung prägten seine Kunst. Nach "Dubliner" und "Ein Porträt des Künstlers als junger Mann" radikalisierte Joyce in "Ulysses" sein Projekt, das gewöhnliche Leben als Träger höchster ästhetischer und geistiger Bedeutung sichtbar zu machen. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die bereit sind, Literatur als Abenteuer des Denkens, Hörens und Wahrnehmens zu erfahren. "Ulysses" fordert Geduld, belohnt sie jedoch mit außerordentlicher Komik, Menschlichkeit und formaler Kühnheit. Wer den modernen Roman verstehen will, kommt an diesem Werk nicht vorbei.