Interessante Story, von der ich mir leider mehr versprochen habe, als ich letztendlich bekam. Die Fahrt war sehr lang.
Stell dir vor, du bist am Abend im Dunkeln mit deinem Partner im Auto unterwegs, es ist nebelig und plötzlich steht ein Mann auf der Straße. Würdest du anhalten? Doch was ist, wenn eine Frau mit einer Babyschale allein auf der Straße steht und scheinbar eine Panne hat? Da stellt sich einem die Frage kaum noch. Natürlich hält man an. Schließlich kann man die Frau mit dem Kind nicht sich selbst überlassen. Genau das ist Abi und Ben passiert. Sie waren mit dem Auto unterwegs und plötzlich treffen sie auf eine Familie am Straßenrand, die sie geradewegs ins Unglück reißt. Denn als sie die Familie bei sich im Auto aufnehmen, beginnt eine ungeheuerliche Fahrt mit Folgen.
Viel mehr möchte ich zum Inhalt dieser Geschichte nicht verraten. Denn es dreht sich hier hauptsächlich um diese eine Autofahrt innerhalb weniger Stunden. Es gibt ein paar Rückblicke in die Vergangenheit der aufgenommenen Familie, damit man ihre Handlungen besser nachvollziehen kann und ein paar Details zu der Beziehung zwischen Allie und Ben.
Ein ganzes Buch mit einem Handlungsstrang von nur wenigen Stunden und meist im Auto. Da fragt man sich, was kann da schon alles passieren? Ich muss ehrlich sagen, ich habe mir viel von dieser Story versprochen, wurde aber leider enttäuscht. Der Schreibstil ist toll und die Protagonisten kommen erst einmal sehr authentisch rüber. Der Autor hat viele Gedanken von Abi, die am Steuer sitzt, sehr ausführlich geschildert. Nur wenige Minuten wurden auf zig Seiten dargestellt. Abis Gedanken waren für mich absolut nachvollziehbar, doch bin ich nicht sicher, ob ich all diese Details gebraucht hätte. Es wirkte auf mich, als würde hier absichtlich etwas in die Länge gezogen, um Spannung zu erzeugen, doch so wirklich kam diese nicht auf. Im Verlauf der Geschichte tauchen weitere Personen auf, die für etwas Abwechslung sorgen. Interessant fand ich die Rückblicke in die Vergangenheit der Familie, denn diese Familie steckt ordentlich in der Patsche. Was auch erklärt, warum sie zu Tätern werden könnten. Schließlich sterben Menschen, oder man nimmt an, dass sie ermordet wurden, obwohl sie am Ende doch noch leben. Ich bin ehrlich, ich lese nicht oft einen Thriller und bin auch kein Spezialist auf diesem Gebiet. Deshalb kann ich nicht beurteilen, ob diese Täuschungen nun so üblich sind oder nicht, aber wenn mir die Story zu unrealistisch wird, verliere ich schnell die Lust daran. Seltsam wird es auch, wenn Protagonisten, wie in diesem Fall, Superkräfte entwickeln. Ich muss mir die Situationen vorstellen können, verstehen, warum es für Täter oder Opfer nur diese eine Möglichkeit gibt, mitfiebern und vielleicht auch rätseln dürfen, wieso die Menschen in gewissen Situationen so handeln, wie sie es tun. Hier habe ich eigentlich nur gehofft, dass die Fahrt endlich ein Ende nimmt. Den Schluss fand ich sogar recht fesselnd geschrieben, wenn auch ebenfalls wieder eher unrealistisch, dafür aber stimmig. Es war nicht meine Story, aber wen meine Kritikpunkte nicht stören, der könnte seinen Spaß damit haben.