"Jaga und der Teufel": Wenn slawische Folklore auf düstere Fantasy und eine dunkle, sich in Abhängigkeit verlierende Romance trifft.Kaum dem wütenden Mob ihres Dorfes und den zischenden Stimmen Wolands entkommen, entkräftet und verletzt, gerät Jaga in eine Welt, fernab der menschlichen, in eine, in der Gräuel und uralte Wesen, Magie und Legenden existieren."Devil's Doom": setzt nahtlos am Ende des Auftakts der Trilogie an. Hat mich "Devil's Deal" vor allem durch die düstere, bedrohliche Atmosphäre, Jagas beklemmendes Schicksal und Wolands unerklärliches, obsessives Verlangen für sich eingenommen, empfand ich in der Fortsetzung das originelle und fesselnde Worldbuilding als sehr stark.Wir begegnen verschiedenen Kreaturen der slawischen Folklore, teilweise skurrilen Bies' und egozentrischen Gottheiten und werden mit den ausbeuterischen Regeln in Slawa, mit der grausamen Herrschaft von Perun und seinen Schergen konfrontiert. Die Missstände, Konflikte und Diskrepanzen samt der vorherrschenden Magie bieten ausreichend Spannung, Abwechslung und ebenso viele schockierende wie berührende Momente, während Jagas Kräfte wachsen, sie versucht, an ihrer aufrührerischen Selbstlosigkeit festzuhalten. Indes verliert sie ihr Vorhaben, eine Möglichkeit zu finden, sich - heute und gestern - zu retten, nicht aus den Augen. Bei Lech, Rada und Dar findet die Hexe sogar Anschluss, fühlt sich endlich nicht mehr allein, trotz der Tatsache, dass sie ihr wahres Wesen verbergen muss.Doch der Teufel lässt sich nicht so leicht abschütteln. Immerhin ist Jaga der Schlüssel, der ihm zu noch mehr Macht, zum Sieg verhelfen soll.Mit seinem Auftauchen gerät das Augenmerk der Storyline auf diese gefährliche, toxische Dynamik. Wieder muss sich Jaga gefügig zeigen, sich der Verurteilung anderer stellen, sich neu beweisen. Zwischen Machtspielen und Unterdrückung, Ausgrenzung und einem Gefühlschaos, das seinesgleichen sucht, weiß Jaga bald nicht mehr, wem sie im Zentrum der Rebellion glauben kann, wenn sie nicht mal mehr sich selbst vertraut. Langsam beginnt sie, dem Teufel und seinen Lügen, seinen verführerischen Versprechungen zu verfallen. Ihn wirklich an sich heran, in sich, zu lassen. Und sich selbst zu hassen. Denn Woland ist der König der schönen Worte, der bezirzenden Täuschungen. Schon bald landet Jaga erneut auf dem Boden der Tatsachen, hart und harsch, einsam, gedemütigt, geschändet und sieht keinen Weg, dieser Hölle zu entkommen ...Layla Fae sponn ohne Frage auch in diesem Band ein weitreichendes, komplexes Netz aus verschiedenen Elementen, Emotionen und Figuren. War die erste Hälfte geprägt von der Suche nach Jagas Platz und ihrem Einfinden, von der stetigen Angst im Nacken, enttarnt zu werden, und den Gegebenheiten dieser fremden, mystischen Welt, nimmt der Spiceanteil mit fortlaufender Handlung und dem wachsenden teuflischen Einfluss ebenso viel Raum ein wie ihre kontroverse Beziehung. Je tiefer Jaga in die Wehen des Widerstands gezogen, umso offener Woland wird, sich seiner gebrandmarkten Beute sicher, desto stärker gerät die Hexe ob seiner fraglichen Motive und Vorgehensweisen ins Straucheln. Ihre ambivalenten Gefühle lassen sie glaubhaft erscheinen, jedoch sorgen Wiederholungen zusätzlich des bereits vorhandenen Inputs für Längen - diese finden sich nicht nur in Formulierung und Gedankenkreisen, sondern auch in dem einen oder anderen (inneren) Konflikt. Auch schienen mir Jagas Sprünge von "eiserner Konsequenz" zu "butterweicher Hingabe" oftmals zu abrupt. Dies ändert nichts an der beklemmenden, einengenden Stimmung. An der Skrupellosigkeit, die sich gleichsam mit Verzweiflung, Intrigen und Manipulationen über das Geschehen erstreckt. Obgleich Jaga zu großen Teilen die Erzählerin mimt, führen uns Wolands seltene Einschübe in die Irre, zeichnen ein von Unstimmigkeiten dominiertes und daher unberechenbares Bild. Nicht jede Intimität, der wir in diesem Buch beiwohnen, nicht jeder sexuelle Akt basiert auf Konsens, auf Einverständnis. Viele dieser Szenen werden ausführlich und ausschweifend beschrieben, sind heftig und brutal - ebenso wie die Ungerechtigkeiten, die die BewohnerInnen Slawas ertragen müssen.Stilistisch haben wir wieder einen modernen und direkten Ton, der einen gelungenen Kontrast zu dem Gebaren vergangener Zeiten darstellt. Einige der bildreich dargelegten Sequenzen waren verstörend und Positionen, gerade jene von Frauen, leider nicht unrealistisch. Abgesehen von Jaga, die im Zentrum steht und mit vielen Facetten, Stärken und Schwächen ausgearbeitet wurde, sind es ihre neuen FreundInnen sowie Woland, die gewichtigere Rollen einnehmen. Überrascht hat mich in diesem Buch aber vor allem Chors."Devil's Doom" konnte mich, im Gegensatz zu "Devil's Deal", zwar nicht komplett überzeugen und mitreißen, nichtsdestotrotz hat auch dieser Band mehr Höhen als Stagnation, hält etliches an Spannung und Emotionen bereit, an Mythen, Action, Magie und Originalität. Statt dunkler Romantik warten Toxic, Abhängigkeit und Gewalt. Die Atmosphäre war durchgängig bedrohlich, nie leicht, nie cozy. Zu viel Ungewisses, zu viel Verrat und Lügen, Erniedrigung und Grausamkeit schwingen in dieser Geschichte mit. Dass Woland nicht der Einzige ist, der es auf Jaga und ihre Besonderheiten abgesehen hat, spitzt deren Situation zu. Wie soll sie ihr jüngeres Ich, wie die Menschen, Bies und Wesenheiten, die unter der Tyrannei der Götter leiden, retten; wie aus ihrem Elend fliehen?In den ausklingenden Kapiteln wendet sich das Geschehen wiederholt auf eine unerwartete Weise, driftet in eine Richtung, in der Dunkelheit und Eifersucht dominieren, neue Möglichkeiten und unglaubliche Offenbarungen alles verändern - auch Jagas Schicksal. Kann sie in der ihr aufgezwungenen Abhängigkeit (über)leben?"Devil's Dance" erscheint am 22. Dezember und ich kann es kaum erwarten, zum letzten Mal an Jagas Seite zu stehen.Übrigens: Am Ende gibt es ein Glossar, das unbekannte Bezeichnungen|Namen erklärt.