Die Liebesgeschichte haut mich hier nicht vom Hocker, dafür war der Suspense-Anteil sehr geschickt und spannend gestaltet.
Jennifer Bright und die "Pure Grace Academy" habe ich zuletzt sehr oft in Social Media gesehen. Mir kam der Name der Autorin auch sehr bekannt vor, aber richtig Klick machen wollte es nicht. Also habe ich mal genauer recherchiert und dann war da auf einmal doch wieder eine Verbindung. Ich habe vor fünf Jahren von ihr schon "Everything I Had" gelesen. Aber da ich einen sehr zwiegespaltenen Eindruck von dem Buch gewonnen habe, habe ich die Autorin dann leider nicht weiterverfolgt. Aber jetzt hat sie sich wieder aufgedrängt und da habe ich Band 1, "The Final Bow" doch gerne mal näher angeschaut.Ich habe dem Geschehen durch ein Hörbuch gefolgt. Ich habe da so einige Stimmen zu hören bekommen, vor allem Hannah Schepmann und Kai Hochhäusler in den zentralen Rollen als Aurélie und Lucian. Ich fand es toll, dass den verschiedenen anderen Rollen, die eine eigene Perspektive bekommen, bzw. einmal den Schlagzeilen so eine Bedeutung eingeräumt wurde, sodass wir dann auch noch drei weitere beteiligte Stimmen haben. So habe ich Hörbücher am liebsten. Ich fand auch die Stimmauswahl gelungen und bin dem Geschehen gerne gefolgt.Ich hatte zu Brights anderem Buch geurteilt, dass sie Trauma schreiben kann, aber ansonsten mir zu oft oberflächlich war. Jetzt kann man "The Final Bow" kaum mit "Everything I Had¿ vergleichen, weil wir in ihrem neuen Buch einen hohen Suspense-Anteil haben, weil Aurélie herausfinden will, wer ihre Mutter getötet hat, denn an einen Selbstmord möchte sie nicht glauben. Es sind also sehr unterschiedliche Ausgangsgeschichten, bei denen auch verschieden gearbeitet werden muss. Ich bleibe dann hier zunächst bei dem Suspense-Anteil, weil der für mich im Zusammenhang mit der Autorin neu ist. Ich fand ihn alles in allem gelungen. Da habe ich schon Thriller gelesen, bei denen alles früher klar war. Bright hat es in meinen Augen geschickt hinbekommen, Zwischenergebnisse zu liefern, aber dorthin mit vielen falschen Fährten zu arbeiten. Mir war zwar oft klar, dass es falsche Fährten sein müssen, weil noch so viel Laufzeit vor mir war, aber ich fand es trotzdem geschickt, dass sich die richtige Lösung nicht sofort aufgedrängt hat. Die Autorin hat auch nicht mit naheliegenden Ideen gearbeitet. Manches war echt außergewöhnlich und da lobe ich mir den Mut, zumal es keinesfalls unlogisch war. Auch wenn ich eine gewisse Ahnung hatte für die Endlösung, so hat Bright auch da wieder geschafft, dass sie es eigentlich zuvor für mich ad acta gelegt hatte. Also geschickt war die Autorin allemal. Das war durchgängig spannend gestaltet.Kommen wir jetzt zu dem anderen Anteil und das ist Trauerbewältigung, Akademiealltag mit Ballettunterricht und Liebesgeschichte. Der Akademiealltag kam rüber und ich fand auch, da kann ich die Ballett-Reihe von Anna Savas gut als Vergleich hinzuziehen, dass dem Sport hier viel Bedeutung zukam. Gleichzeitig waren Aurélie und Lucian jetzt beides keine Charaktere, die für Ballett brennen, weil sie damit zu viele Schattenseiten verbinden und trotzdem kam die Konkurrenz untereinander und andere Faktoren gut rüber. Die anderen beiden Aspekte hängen dann für mich eng zusammen. Die Liebesgeschichte war mir nämlich leider zu dominant. Aurélie und Lucian und der Suspense-Anteil, das passte schon okay, aber mit anderen Baustellen war es mir zu viel. Mir ging es auch zu schnell. Die beiden waren Freunde bei der letzten Begegnung und schwupps ist es Anziehung hoch tausend. Das war mir zu übertrieben. Zudem haben wir am Anfang Lucians Perspektive sehr selten, sodass ich auch zu ihm nur schleppend eine Beziehung aufbauen konnte. Letztlich gab es dann auch zu viele intime Szenen, die für mich eine emotionale Anziehung überschattet haben. Da habe ich meine Kritik an Bright dann wiedererkennen können.Fazit: "Pure Grace Academy - The Final Bow¿ hat zum Glück mehr Licht- als Schattenseiten, aber bei Jennifer Bright fühle ich die Liebesgeschichte einfach nicht so. Aber die Thematik mitsamt Setting und dann Suspense-Anteil, das war gut, überzeugend und spannend gestaltet. Ich werde Band 2 hier bestimmt auch lesen.