1912: Hannah ist 22 Jahre alt, als ihr Vater stirbt und ihr Bruder ihr den kleinen Hof der Familie überlässt. Für das Dorf ist das ein Skandal, denn Hannah möchte unabhängig von einem Mann für den Hof sorgen. Unterstützung bekommt sie dabei von Mara, ihrer Bediensteten und zugleich guten Freundin. Als Hannah sich verliebt, scheint sich ihr Leben jedoch noch einmal zu verändern.
Julie ist ebenfalls Anfang zwanzig und lebt in einer ganz anderen Welt. Als Ehefrau eines angesehenen Anwalts verfügt sie über Geld und kann sich schöne Kleidung leisten. Glücklich ist sie in ihrer Ehe trotzdem nicht. Hannahs lebendige Ausstrahlung und ihr Wille, unabhängig von Männern zu sein, faszinieren Julie. Eine Zeit lang hilft sie Hannah dabei, Lesen und Schreiben zu lernen.
Die beiden Protagonistinnen sind mir sympathisch und das Buch ist gut geschrieben. Es liest sich leicht und flüssig, sodass ich schnell durch die Geschichte gekommen bin. Trotzdem gehört Zwei Frauen für mich nicht zu den Romanen, die länger im Gedächtnis bleiben.
Hannahs Leben auf dem Obsthof fand ich interessant zu verfolgen. Sie ist eine junge Frau vom Land, die sich um einen Hof kümmern und sich in einer Zeit behaupten muss, in der ein solcher Lebensweg für eine Frau alles andere als selbstverständlich war. Julie lebt dagegen finanziell abgesichert an der Seite ihres Mannes. Er ist ihr gegenüber liebenswürdig und großzügig, trotzdem ist Julie mit ihrem Leben nicht glücklich.
Von der im Klappentext angekündigten Freundschaft zwischen den beiden Frauen hatte ich allerdings eine andere Vorstellung. Lange handelt das Buch eigentlich eher von den unterschiedlichen Lebenswegen von Hannah und Julie. Julie ist fasziniert von Hannah, während Hannah Julie als Frau aus einer ganz anderen Welt wahrnimmt. Ihre Verbindung bleibt zunächst eher lose und entwickelt sich erst gegen Ende zu einer Freundschaft.
Auch der Erste Weltkrieg bleibt für mich eher eine Randerscheinung. Obwohl die Geschichte kurz vor Ausbruch des Krieges spielt und dies natürlich Einfluss auf das Leben der Figuren hat, wird diese Zeit nur recht oberflächlich behandelt. Ich hätte mir hier mehr historische Tiefe gewünscht, denn so konnte mich das Kriegsgeschehen emotional nicht wirklich erreichen.
Insgesamt ist Zwei Frauen ein angenehm zu lesender historischer Roman über zwei sehr unterschiedliche junge Frauen. Meine Erwartungen, die der Klappentext geweckt hatte, wurden allerdings nur teilweise erfüllt. Für mich steht weniger die Freundschaft der beiden im Mittelpunkt, sondern vielmehr ihre jeweiligen Lebensgeschichten.
Fazit:
Ein gut geschriebener und nett zu lesender Roman, der mich insgesamt aber nicht so erreichen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte.