Da mir der Auftakt der Wase-Rahimi-Reihe von Chris Warnat, erschienen bei Penguin, sehr gut gefallen hat, war klar: Ich will unbedingt die Fortsetzung lesen. So verschlang ich "Vier Minuten Stille" innerhalb von zwei Tagen.
Durch einen düsteren und atmosphärischen Prolog katapultierte mich die Autorin sofort in die Storyline rund um den mysteriösen Mord an einer Theaterschauspielerin, die augenscheinlich mit vielen Dämonen kämpfte. Immer wieder schiebt die Autorin gekonnt Rückblenden ein, die mich auf so manche falsche Fährte locken und meine Neugier immer weiter anheizen.
In kurzen, knackigen Kapiteln mit wechselnden Perspektiven regte die Autorin meinen Lesefluss immer weiter an und präsentierte mir ständig neue Puzzleteile, die mich sehr oft in eine Sackgasse führten was ich persönlich an Thrillern liebe.
Die Charaktere hatten Ecken und Kanten; keiner war glatt gebügelt, und genau dadurch wirkten sie authentisch. Sie entwickelten sich über den klug konstruierten Spannungsbogen weiter, sodass ich ihr Tun und Handeln als glaubwürdig empfand. Immer neue Wendungen und falsche Fährten führten dazu, dass es zu keinerlei Längen im Storytelling kam.
Am Ende präsentierte mir die Autorin ein Finale, das mich völlig kalt erwischte und die tiefen Abgründe menschlichen Handelns ans Licht brachte. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass mir in Bärs Entwicklung bis zu diesem aktuellen Fall Wissen fehlte und es sich teilweise anfühlte, als hätte ich einen Band der Reihe verpasst. Gerne hätte ich hier mehr Einblicke in den Fall des Drachenmörders erhalten, auch wenn ich verstehe, wieso sich die Autorin für dieses Stilmittel der gewollten Leerstelle entschieden hat. Natürlich facht man dadurch die Neugier des Lesers an; nur hier fühlte es sich ab und an so an, als wäre mir das Vorwissen aus einem anderen Buch entgangen.
Von mir gibt es eine große Leseempfehlung mit 4,5 von 5 Sternen für "Vier Minuten Stille". Alle Fans von atmosphärisch düsteren Thrillern werden hier sicherlich auf ihre Kosten kommen.