Anna zieht mit ihrem Mann Carlo vom Norden Italiens in den Süden. Hier ist die Mentalität der Menschen eine ganz andere. Anna ist keine Frau, die sich unterordnet, sondern kämpft für ihre Werte. So wird sie die erste Briefträgerin und bringt frischen Wind nach Lizzanello. Immer wieder sorgt sie für Gesprächsstoff und wird nur "die Fremde" genannt. Doch davon lässt sich Anna nicht einschüchtern. Sie liebt ihre Arbeit und wird nach und nach immer mehr anerkannt.
Von Antonio, dem Bruder ihres Ehemanns, erhält sie die meiste Unterstützung. Wird sie sich jemals ihrer wahren Gefühle für ihren Schwager bewusst werden? Dabei liebt sie ihren Mann doch so sehr und wäre ihm gegenüber niemals unloyal.
Es hat bei mir schon ein paar Seiten gedauert, bis ich richtig im Geschehen angekommen war - dann aber mit Leib und Seele. Es ist ein sehr bewegender Roman über Annas Familie, die man 30 Jahre lang begleitet. Man nimmt teil an ihren Hoffnungen und Ängsten.
Die Figuren sind sehr präzise beschrieben, sodass man sie direkt vor Augen hat und mit ihnen mitfühlt. Am meisten hatten es mir dabei Anna und ihre Nichte Lorenza angetan. Anna, die es furchtlos mit jedem aufnimmt und ihren Weg trotz aller Schwierigkeiten meistert. Lorenza, die oft störrisch und wütend wirkt und dabei eigentlich so sensibel und verletzlich ist. Jede Figur hat in dieser Geschichte ihren Platz und ihre eigene Tiefe.
Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig - man möchte einfach immer weiterlesen.
Teilweise hätte ich mir gewünscht, dass historische Aspekte noch stärker in die Handlung eingeflossen wären, aber das liegt einfach daran, dass ich dafür eine besondere Vorliebe habe.
Den Tod von Anna hätte ich nicht unbedingt vorangestellt. Die Figuren wachsen einem nämlich erst im Laufe der Geschichte ans Herz, sodass mich dieser Einstieg zunächst etwas überfordert hat.
Ein sehr schöner und lesenswerter Roman, der einen beim Lesen nicht mehr loslässt.