Vera Buck widmet sich in ihrem Buch 'Keine Angst, Darling' den Schattenseiten, die der Tradwife-Trend und Machtgefälle in Beziehungen mit sich bringen spannend, erschreckend und faszinierend zugleich.
Um was geht es?
Paulas Schwester Lea lebt mit ihrer kleinen Familie in den USA in der Luxussiedlung Sancta Familia. Als erfolgreiche Influencerin postet sie regelmäßig Videos aus ihrem Leben als Tradwife und propagiert den Lebensstil der 50er Jahre und bedingungslosen Gehorsam gegenüber ihrem Mann. Doch seit Monaten herrscht auf ihrem Kanal Funkstille. Paula ist besorgt und versucht verzweifelt Lea zu erreichen. Als ihr das nicht gelingt, packt sie ihre Sachen, verabschiedet sich von ihrer Familie und fliegt nach Florida, um ihre Schwester zu suchen. Dort angekommen trifft sie jedoch nur Leas Ehemann Matt und die gemeinsame Tochter Emma an. Lea ist angeblich auf einem Retreat. Doch die Siedlung und das Verhalten von Matt sind so befremdlich, dass Paula ein ungutes Gefühl beschleicht. Ist ihre Schwester wirklich auf einem Retreat oder steckt mehr dahinter? Paula macht sich auf die Suche und fühlt sich schon bald verfolgt und bedroht.
Protagonistin des Thrillers ist Paula Hartmann, die Schwester von Lea. Beide sind in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Feminismus propagiert und gelebt wurde. Paula ist diesen Weg zielstrebig weitergegangen, bringt erfolgreich Beruf und Familie unter einen Hut und geht ihren Weg. Gleichzeitig scheint das Verhältnis zu ihrer Schwester, obwohl früher sehr innig, angespannt zu sein. Warum wissen wir zunächst nicht. Dennoch fühlt sich Paula für ihre kleine Schwester verantwortlich. Deswegen ist es auch nicht überraschend, dass Paula etwas überstürzt in die USA fliegt, als sie glaubt, dass ihre Schwester Hilfe braucht. Wir begleiten Paula auf der Suche, die passend zu ihrem Charakter mal zielstrebig, mal chaotisch, mal überstürzt und kopflos erscheint. Diese Zielstrebigkeit führt zu zahlreichen Spannungsfeldern mit Nebencharakteren, die die Story vorantreiben.
Das Buch selbst besteht aus drei Handlungssträngen. Im ersten Handlungsstrang begleiten wir Paula auf ihrer Suche nach Lea. Im zweiten Handlungsstrang lernen wir Lea auf ihrem Weg zur Tradwife und in ihrem Leben als Tradwife kennen, inklusive aller widerstreitenden Gefühle und Gedanken, die damit einhergehen. Handlungsstrang drei sind Auszüge aus einem Haushaltsbuch das uns häppchenweise mit weiteren Stückchen zur Story versorgt. Diese drei Handlungsstränge wechseln sich ab und bringen viel Dynamik in die Geschichte. Vera Buck schafft es, diese so geschickt miteinander zu verweben, dass man als Leser das Gefühl hat, immer ein kleines bisschen mehr enthüllt zu bekommen. Trotz allem wird nicht zu viel des großen Ganzen verraten. Das baut eine wahnsinnige, fast greifbare Spannung auf, die den Thriller in einen absoluten Pageturner verwandelt.
Auch das Grundthema des Buches, der Trend der Tradwives, finde ich persönlich sehr spannend. Ich kannte den Trend bereits und finde ihn sehr befremdlich. Aber die Art wie Vera Buck ihren Thriller rund um dieses Thema aufgebaut hat und dabei die Beweggründe der Tradwives aber auch alle Schattenseiten charmant beleuchtet, fand ich unglaublich toll. Selten hat mich ein Buch aufgrund des Basisthemas noch im Nachhinein so lange beschäftigt. Auch wenn 'Keine Angst, Darling' mein erster Vera-Buck-Roman war, so wird es sicher nicht mein letzter bleiben.
Fazit:
'Keine Angst, DarlingI ist ein echter Pageturner zu einem hochaktuellen und etwas befremdlichen Trend: den Tradwives. Die Story ist erfrischend anders, der Aufbau in mehrere Handlungsstränge macht das Buch abwechslungsreich und dynamisch. Für alle Thriller-Liebhaber ist das Buch ein Must-Read mit vielen überraschenden, aber plausiblen Entwicklungen in einer Welt, die mir zumindest fremd ist.