Alexandre Dumas' "Ange Pitou" entfaltet vor dem Panorama der Französischen Revolution eine breit angelegte Erzählung von politischem Erwachen, sozialer Unruhe und persönlicher Initiation. Im Zentrum steht der naive, doch moralisch wache Bauernjunge Ange Pitou, dessen Weg aus der Provinz in die revolutionäre Öffentlichkeit führt. Dumas verbindet historische Ereignisse mit melodramatischer Spannung, komischen Akzenten und feuilletonistischer Erzählkunst; private Leidenschaften, Klassenkonflikte und nationale Umbrüche erscheinen als untrennbar verwoben. Dumas, 1802 geboren und einer der produktivsten Erzähler des 19. Jahrhunderts, besaß ein außergewöhnliches Gespür dafür, Geschichte in dramatische Handlung zu verwandeln. Seine eigene Erfahrung einer von Revolutionserinnerung, politischem Wandel und sozialer Mobilität geprägten Epoche erklärt die Lebendigkeit, mit der er das Ancien Régime und dessen Zusammenbruch schildert. In "Ange Pitou" zeigt sich besonders sein Interesse an jenen einfachen Figuren, die von großen historischen Kräften erfasst werden. Empfohlen sei dieser Roman allen Lesern, die historische Literatur nicht als trockene Rekonstruktion, sondern als bewegtes Gesellschaftsgemälde schätzen. "Ange Pitou" bietet Abenteuer, Ironie und politische Einsicht zugleich und macht verständlich, wie Revolution im Alltag, in Gefühlen und in moralischen Entscheidungen Gestalt annimmt.