Kaum hatte ich angefangen zu lesen, war ich mitten in einem Albtraum, der sich Seite für Seite immer weiter zuspitzt. Dieses Buch hat genau die Art von Spannung, die dafür sorgt, dass man ständig denkt: "Nur noch ein Kapitel" und plötzlich sind wieder hundert Seiten vorbei.
Besonders beeindruckt hat mich, wie geschickt Andrea Mara die Geschichte aufbaut. Ständig hatte ich das Gefühl, einer Lösung näherzukommen, nur um wenige Seiten später wieder alles infrage zu stellen. Jeder neue Hinweis eröffnet neue Möglichkeiten und jede Figur scheint etwas zu verbergen. Genau das hat für mich den besonderen Reiz dieses Thrillers ausgemacht.
Die Charaktere wirken unglaublich lebendig. Vor allem Marissa hat mich emotional mitgerissen. Ihre Angst, ihre Verzweiflung und die Hilflosigkeit angesichts des Verschwindens ihres kleinen Sohnes waren so greifbar beschrieben, dass ich regelrecht mit ihr gelitten habe. Man spürt in jeder Szene die Panik einer Mutter, die nicht weiß, wo ihr Kind ist und ob es ihm gut geht.
Auch die Perspektivwechsel haben mir sehr gefallen. Sie sorgen dafür, dass man immer wieder neue Einblicke erhält und sich das Gesamtbild langsam zusammensetzt. Dabei gelingt es der Autorin hervorragend, die Spannung dauerhaft hochzuhalten. Es gibt zahlreiche Verdachtsmomente, überraschende Enthüllungen und immer wieder Momente, in denen man seine bisherigen Theorien komplett überdenken muss.
Besonders stark fand ich die Atmosphäre. Hinter der scheinbar perfekten Fassade eines ruhigen Wohnviertels kommen nach und nach Geheimnisse ans Licht, die weitreichender sind, als zunächst erwartet. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie wenig man manchmal über die Menschen weiß, die man zu kennen glaubt.
Das Finale hat mich dann endgültig überzeugt. Obwohl ich während des Lesens ständig gerätselt habe, konnte mich die Auflösung dennoch überraschen. Alle offenen Fragen wurden schlüssig beantwortet und die letzten Kapitel haben das ohnehin schon hohe Spannungsniveau noch einmal deutlich gesteigert.